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West Side Story

Leidenschaft, Dramatik & unvergessliche Musik

Der Sommer 2025 wird groß: Bernsteins „West Side Story“ kommt nach Eutin! Der Klassiker ist heute so frisch wie bei seinem Debut 1957. Die Liebesgeschichte, die ethnischen Konflikte zwischen Puerto-Ricanern und Amerikanern – brandaktueller Stoff, von Bernstein so umwerfend vertont, dass das Stück zu Recht als „Mutter aller Musicals“ gilt.

West Side Story – Leidenschaft, Dramatik

Der Sommer 2025 wird groß: Bernsteins „West Side Story“ kommt nach Eutin! Der Klassiker ist heute so frisch wie bei seinem Debut 1957. Die Liebesgeschichte, die ethnischen Konflikte zwischen Puerto-Ricanern und Amerikanern – brandaktueller Stoff, von Bernstein so umwerfend vertont, dass das Stück zu Recht als „Mutter aller Musicals“ gilt.


Die Presse ist begeistert! Lesen Sie eine Auswahl der Kommentare:

Warum „West Side Story“ ein unvergessenes Spektakel der Extraklasse ist (shz.de)

Eutiner Festspiele: Publikum ist nach Premiere völlig aus dem Häuschen (shz.de)

„West Side Story“ in Eutin: Lohnt sich der Besuch des Musicals? (kn-online)

Hormoneller Überschuss vs. Ewige Liebe (concerti)

Fester Bestandteil des kulturellen Sommers in Schleswig-Holstein (KulturPort-SH)

Rassismus und Romantik: Eutiner Festspiele mit „West Side Story“ gestartet (NDR-Kultur)

„West Side Story“ – Hintergründe, Cast und Kreativteam exklusiv!


Das bisher erfolgreichste Musical auf der Seebühne!

Am 26. September 1957 war es endlich so weit: Acht Jahre nach der ersten Idee von Leonard Bernstein und Drehbuchautor Arthur Laurents konnten sie die Premiere von „West Side Story“ feiern. „Die meisten Leute meinten: Diese Idee ist Quatsch. Du kannst kein Musical an den Broadway bringen, in dem es so viel Hass gibt und Feindseligkeit. Aber wir haben daran festgehalten,“ sagt Bernstein. Die moderne Version von William Shakespeares „Romeo und Julia“ als Musical bekam gute Kritiken – zu einem Welthit wurde sie aber erst durch die berühmte Verfilmung von Wise und Robbins, mit Natalie Wood und Richard Beymer. Er wurde 1962 mit10 Oskars ausgezeichnet. Alle Songtexte stammen von Stephen Sondheim, der als der herausragendste Musical-Autor des 20sten Jahrhunderts gilt. Auch die zweite Verfilmung von Steven Spielberg 2021erhielt sieben Oscar-Nominierungen.

Nicht nur der zeitlos-frische Hit „America“ gehört seitdem zum akustischen Welterbe – auch mit der berühmten Ballade „Maria“ singt sich Tony, der ehemalige Anführer der Jets, direkt ins Herz des Publikums.

Klassik, Jazz – und Mambo

Bernsteins Geniestreich ist musikalisch so eingängig wie anspruchsvoll: Ohne Einleitung wirft er das Publikum direkt in die moussierende Handlung. Die Jets – weiße Amerikaner – und die puerto-ricanischen Sharks treffen in einer New Yorker Straßenszene aufeinander. Dynamischer Jazz umspielt die Jets; die Sharks werden getrieben von lateinamerikanischen Rhythmen. Bernstein setzte dafür den Tritonus ein – eine Halboktave – die den dämonischen Sound und die gnadenlose Spannung abbildet, die zwischen den rivalisierenden Gangs schwelt. Erst als Tony – Ex-Jet – und Maria – Schwester eines Shark – aufeinandertreffen, werden diese Gegensätze musikalisch aufgelöst: Die Begegnungen der Liebenden bekommen ihre eigene Note, ihre Herkunft und ihre Zuordnung als Jet oder Shark wird unwichtig.

Jets und Sharks – und die große Liebe

Trotz spannungsgeladener Töne und brisanter Thematik wird dieses Musical weltweit geliebt und immer wieder inszeniert. Warum? Weil sein Thema so zeitlos ist. Wie kann in einer Welt voller Vorurteile und Gewalt die Liebe überleben? „Darum geht es in diesem Stück“, betont Drehbuchautor Laurents. Es ist dieses Thema – und seine mitreißende, musikalische Frische, die dieses Musical zum Klassiker haben werden lassen.

Doch auch, wenn Bernstein sich gegen das Broadway Diktat vom Happy End ausspricht: In dem Adagio „Somewhere“ vereinigen sich die rivalisierenden Gangs im Traum in Freundschaft. Das Finale wiederholt diese traumhafte Vision. Ist eine Versöhnung, trotz allem, doch nicht ganz unmöglich?

HANDLUNG

1. Akt
New York in den 1950er Jahren: Die Straßen sind Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Jugendbanden. Die alteingesessenen Jets und die frisch aus Puertorico zugezogenen Sharks kämpfen um die Vorherrschaft in der Nachbarschaft. Obwohl die Polizei versucht, die Konflikte zu unterbinden, bleibt die Lage angespannt. Die Jets beschließen, ein für alle Mal Klarheit zu schaffen. Ihr Anführer Riff überredet seinen besten Freund und früheren Bandenchef Tony, an einem entscheidenden Kampf teilzunehmen. Tony hat sich eigentlich von der Gang zurückgezogen, doch Riff appelliert an ihre gemeinsame Vergangenheit.

Bei einem Tanzabend kommt es wieder mal zur Konfrontation zwischen den beiden Gruppen. Doch am Rande geschieht das Unerwartete: Tony und Maria begegnen sich – und verlieben sich augenblicklich ineinander. Als Tony hört, dass Maria Bernados Schwester ist, folgt er ihr heimlich nach Hause zum Rendezvous. Sie verabreden sich für den nächsten Abend. Bernardo ist über diese Verbindung alles andere als erfreut. Da Maria Tony gebeten hat, eine Eskalation zu verhindern, versucht er den zwischen den beiden Gangs ausgehandelten Kampf in der Tanzhalle zu verhindern. Doch aufgebrachte Emotionen lassen die Situation außer Kontrolle geraten. Riff schlägt Bernardo nieder, Bernardo ersticht Riff – und im Gerangel tötet Tony schließlich Bernardo. Entsetzt über seine eigene Tat flieht Tony.

2. Akt
Marias Traum vom Glück zerplatzt, als Bernados Freund Chino ihr voller Rachegefühle berichtet, dass ihr Bruder von Tony getötet wurde. Doch ihre Liebe ist so stark, dass sie ihm vergibt, als er sie aufsucht und um Verzeihung bittet. Gemeinsam träumen sie davon, der Gewalt zu entkommen und ein neues Leben zu beginnen. Bernardos Freundin Anita trauert um ihren Geliebten und beschwört Maria, sich Tony aus dem Kopf zu schlagen. Aber Maria hält an ihm fest und bittet Anita, Tony vor Chinos Mordplänen zu warnen.

Anita wird auf dem Weg zu Tonys Versteck von den Chino suchenden Jets aufgehalten und übel drangsaliert. Da behauptet sie, dass Chino Maria erschossen habe. Als der Ladenbesitzer Doc diese Aussage Tony überbringt, rennt der in seinem Schmerz ziellos umher – direkt in die Arme von Chino, der ihn mit einer Pistole erwartet. Zwei Schüsse fallen. Tony stirbt in Marias Armen. Am Ende stehen sich die verfeindeten Gruppen wortlos gegenüber.

EINFACH GENIAL!

Der Regisseur Barrie Kosky gilt als wirkungsreicher Impulsgeber fürs Musiktheater. Als langjähriger Intendant der Komischen Oper Berlin inszenierte er 2019 »West Side Story«. Im damaligen Programmheft äußerte er sich im Gespräch mit Johanna Wall auch zur musikalischen Seite dieses Musical-Klassikers, Teile der Aussagen Koskys hier im Wortlaut:

»Das, was in New York, beginnend in den 192oer Jahren und dann bis hinein in die 195oer, passierte, hat eine enorme Ver-
bindung zur deutsch-österreichischen Operettentradition. Die unterschiedlichen Kompositionsstile, die die aus Europa ins Exil geflüchteten Operettenkomponisten von Budapest über Wien, Berlin und Paris mit nach New York und auch nach
Los Angeles brachten, sind der Spiegel einer reichhaltigen, musikalischen Diaspora. Die musikalische Landschaft des Broadways kommt im Grunde aus Budapest, Wien und Berlin.«

»Die ›West Side Story‹ gehört ganz in diese Tradition und das nicht nur, weil Leonard Bernstein Jude war: Diese narrative Form des Musicals, wie wir sie in der West Side Story finden, ist letztlich ein weiteres Kapitel in der Entwicklung der Operette. Die ›West Side Story‹ ist eine ›tragic opera comique‹, in gewisser Weise Bizets ›Carmen‹ vergleichbar. Das Musical ist also eine ›new world version‹ von Operette und opera comique.«

»In Bernsteins Partitur finden sich atemberaubende jüdische Melodien. Manchmal hört man förmlich den Kantor in der Synagoge singen, man denke nur an die langen melancholischen Linien in ›Tonight‹. Da besteht eine starke Verbindung zur rituellen hebräisch-jüdischen Musik. Auf der anderen Seite findet sich hier genauso die populäre jiddische Musiktradition 
Klezmer, Vaudeville. ›Gee, Officer Krupke‹ ist eine typisch jüdische Vaudeville-Nummer.«

»Bernstein hat Melodien aus der jüdischen Synagoge und jiddische Unterhaltungsmusik mit Latino-Rhythmen und New York Black Jazz kombiniert, dazu eine Orchestrierung in der Tradition der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts  Strawinsky, Wagner, Mahler. Man hört Ives, Copland, man hört Ravel, man hört Puccini. Es ist eine unglaubliche Mischung. Einfach genial!«

»Kein anderes amerikanisches Musical weist eine derart reiche musikalische Landschaft auf. West Side Story hat die gleiche extreme Emotionalität wie Alban Bergs ›Wozzeck‹. Der Schmerz und die Sehnsucht und die Einsamkeit und die verklemmte Wut, die sich in ›Wozzeck‹ finden, stecken auch in der ›West Side Story‹.«

»Fast alle bekannten amerikanischen Musical-Komponisten und -Librettisten − außer Cole Porter − waren jüdisch: Irving Berlin, Richard Rodgers und Oscar Hammerstein, George und Ira Gershwin, AlanJay Lerner und Frederick Loewe, Harold Arlen, Stephen Sondheim, Bernstein − die Liste ist endlos.«

Abdruck dieser Aussagen von Barrie Kosky mit freundlicher Genehmigung der Komischen Oper Berlin.

 

BERNSTEIN: ICH SPÜRE RHYTHMEN

In Interviews und einem »Logbuch« zur Entstehung der West Side Story hat Leonard Bernstein die Gedanken und Diskussionen im Autorenteam zu ihrem Projekt publik gemacht.

»Das Ziel ist, ein Musical zu kreieren, das mit den Mitteln der Musical Comedy eine tragische Geschichte erzählt, wobei nur Techniken der Musical Comedy zum Einsatz kommen, ohne je in die ›Opern-Falle‹ zu tappen. Ob das gelingen kann? Bisher noch nie in diesem Land.« 1949

»Wir sind noch immer von der ›Romeo‹-Idee begeistert. Nur haben wir das ganze christlich-jüdische Problem aufgegeben: Es erscheint uns plötzlich altmodisch. Stattdessen ist uns etwas eingefallen, das meinem Gefühl nach den Nagel auf den Kopf trifft. Zwei Jugend-Banden, die eine kämpferische Puertoricaner, die andere selbst ernannte ›echte‹ Amerikaner. Auf einmal habe ich alles sehr lebendig vor Augen. Ich spüre Rhythmen und ahne sogar schon die Form.« 1955

»Hauptproblem: den schmalen Grat zu treffen zwischen Oper und Broadway, zwischen Realismus und Poesie, Ballett und ›einfach tanzen‹, Abstraktion und Repräsentation.« 1956

»Wenn es funktioniert, wird es ein Meilenstein. Ein zukunftsweisender Schritt in der Entwicklung der amerikanischen Musik.« 1957

 

VON DER FEUERLEITER IN DEN CENTRAL PARK

Wie bringt man für das Musical West Side Story eine typische New-York-Szenerie auf die naturgrün umrahmte Eutiner Seebühne? Diese Aufgabe musste Bühnenbildner Jörg Brombacher lösen – im Interview erläutert er seine Überlegungen.

An welchem Theater haben Sie eventuell schon einmal das Bühnenbild für »West Side Story« entworfen?

Tatsächlich hatte ich bisher noch nicht das Vergnügen ,ein Bühnenbild für die West Side Story zu entwerfen.Jedoch konnte ich schon viele verschiedene Produktionen anschauen, vom kleinen Stadttheater bis hin zum großen Staatstheater, wo die Inszenierungen immer in Hinterhöfen New York's mit Gitterzäunen und Feuertreppen verortet waren.

Wie schmerzlich oder reizvoll war es für Sie, für die Inszenierung in Eutin auf die ikonische Szenerie New Yorks mit Straßenschluchten und Feuertreppen an den Fassaden zu verzichten?

Das war gar nicht schmerzlich, sondern wirklich reizvoll und herausfordernd, im Eutiner Schlossgarten mit dem vorhandenen grünen Hügel im Hintergrund der Bühne als wesentliches Bühnenbild-Merkmal zu arbeiten. Grundsätzlich wäre es sowieso fatal, Häuserschluchten New York's auf die Bühne zu bauen und als Bühnenbildner zu glauben, die vorhandene Natur im Schlossgarten damit verstecken zu können.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Handlung ins Grüne des Central Parks zu verlegen?

Da der Verlag für den Erhalt der Aufführungsrechte den Veranstaltern vorschreibt, das Musical im New York der 50er/60er Jahre anzusiedeln, lag es für mich nahe, die Szenerie in den Central Park zu legen. Bei meinen Recherchen bin ich auf Fotomaterial von der Bethesda Terrace und mit der im Vordergrund stehenden Bethesda Fountain gestoßen. Auch liegt dieser Platz mit seinem Arkadengang im Central Park am The Lake, so wie die neue Festspielbühne am Eutiner See. In meinem Bühnenbildentwurf sind aber die Arkaden mit den beiden großen Treppen, sowie der Brunnen mit dem Friedensengel nicht im schönen Sandsteinflair des Originalschauplatzes gestaltet, sondern alles ist viel verwahrloster und abgerockter, ein Lost-Place mit verrostetem Brunnen und Gerüsten. Eine in sich geschlossene, eigene Welt, in der Jets und Sharks, die beiden Gangs, nebeneinander existieren.

Welche Rolle spielt das Wetter bei Ihrer Bühnenplanung?

Natürlich sind die Eutiner Festspiele eine komplette Outdoor-Veranstaltung,  für alle Beteiligten auf und hinter der Bühne ebenso wie auch für die Zuschauer. Bei der Entwicklung der Ideen für die Bühnenbilder spielen die Wetterbedingungen zuerst einmal keine Rolle, jedoch bei der technischen Umsetzung beinflussen Regen, Wind und Sonne naturgemäß die Wahl der Baumaterialien und deren technischen Konstruktionen sowie die Farbgestaltung und Farboberflächen, auch die Verwendung von Vorhängen und großen Tüchern. Das muss alles stabil sein, bestandsfest auch bei Sturmböen und Platzregen. Aber es darf auch nicht zu schwer sein, damit beim schnellen Um- und Abbau die Bühnenarbeiter und gelegentlich auch die DarstellerInnen nicht alle mit Riesenkräften zu Werke gehen müssen.

Welche Szene, welche Melodie in diesem Musical finden Sie besonders bewegend?

Da fällt es mir schwer, nein, es ist mir sogar überhaupt nicht möglich, einen besonderen Moment aus diesem Meisterwerk des Musiktheaters zu isolieren. Bewegend ist die gesamte, zeitlose Romeo und Julia Story mit den unglaublichen großen Choreografien und der fantastischen Musik Leonard Bernsteins.

Sie arbeiten seit 2019 für die Eutiner Festspiele. Sind Sie mit deren Entwicklung zufrieden, oder was muss hier noch verbessert werden?

Verbessert kann immer was werden, aber die Entwicklung mit den stets steigenden Besucherzahlen, geben dem gesamten Leitungsteam recht, mit der Stückauswahl, den engagierten SängerInnen und DarstellerInnen, den Regieteams und der damit zunehmenden Professionalisierung hinter der Bühne auf dem richtigen Weg zu sein, große Sommerfestspiele im Norden Deutschlands zu etablieren.

Interview: Hartmut Buhmann

STRENGE REGELN FÜR WEST SIDE STORY

Zweimal hatten die Festspiele bereits die Erlaubnis, die urheberrechtlich geschützte West Side Story zeigen zu dürfen. Doch 2020 kam ihnen die Pandemie, 2023 der Neubau der Tribüne in die Quere. Was das Recht bedeutet, Bernsteins Meisterwerk auf die Seebühne zu bringen, erläutert Produktionsleiter Marcel Landgrebe.

Wie schwierig war es, die Rechte für die Inszenierung von »West Side Story« für 2025 in Eutin zu erhalten?

Grundsätzlich war und ist es nicht schwer, die Rechte für die West Side Story zu bekommen, wenn man sich rechtzeitig genug im Voraus darum bemüht. Belegbar ist die recht hohe Anzahl an Inszenierungen dieses Musicals in diesem und vorigem Jahr im deutschsprachigen Raum mit fünf bis sechs Versionen in Deutschland und Österreich. Ich selber war überrascht, dass die Rechteinhaber so viele Lizenzen gleichzeitig rausgegeben haben, das ist nicht unbedingt so üblich.

Darf man erfahren, wie teuer das war und wer kassiert?

Es handelt sich in der Regel um einen prozentualen Anteil der Ticketerlöse, den der Lizenzgeber verlangt. Der genaue Preis wird am Ende der Spielzeit ermittelt und an den Verlag bzw. den Lizenzgeber bezahlt. Im Falle der West Side Story zahlen wir den Betrag an den Verlag Musik und Bühne, der dann den Lizenzgebern, den Erben Bernstein und den Erben Robbins, ihren Anteil zukommen lässt. Erfahrungsgemäß liegt bei Festspielen dieser zu zahlende Anteil oft recht hoch bei rund 15 Prozent der Karteneinnahmen.

Warum werden hier neben den Sprechpartien auch die Songs in Deutsch erklingen?

Das wird neuerdings vom Lizenzgeber so vorgegeben. Nachdem einige Inszenierungen im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren zweisprachig aufgeführt wurden (Dialoge auf Deutsch, Songs auf Englisch), es wohl aber bei den Songs in englischer Sprache an der sprachlichen Verständlichkeit gehapert hat und es dadurch schwerer war, der Handlung zu folgen, hat der Lizenzgeber festgelegt, dass es nun im gesamten deutschsprachigen Raum ausschließlich auf Deutsch inszeniert werden darf.

Gibt es Auflagen für die Inszenierung, zum Beispiel für Bühnenbild, Kostüme und Rollenbesetzung?

Ja, im Falle der West Side Story  gibt es verhältnismäßig viele Vorgaben:
- Der Ort des Geschehens muss in New York sein.  
- Das Kostümdesign muss in der damaligen Zeit verortet sein.
- Die Besetzung der Hauptrollen müssen durch den Lizenzgeber genehmigt werden.
- Das Kreativteam (Regie, Choreografie, musikalische Leitung sowie Bühnendesign) bedarf ebenfalls einer Freigabe durch den Lizenzgeber.

Mannomann, dass ist ja eine ganze Menge, oder gibt es noch mehr?

Das Konzept, die Entwürfe und die Lebensläufe des Regieteams müssen ins Englische übersetzt werden und gehen dann über den Verlag in Deutschland weiter in die USA. Erst wenn von dort alle Freigaben erteilt werden, kann man die nächsten Schritte einleiten und die Kolleginnen und Kollegen unter Vertrag nehmen.

Spielten bei der Auswahl des Ensembles auch die deutsche Sprachfertigkeit eine Rolle?

Auch. Bei einer Show der West Side Story liegt der Fokus aber erstmal auf den Fähigkeiten Gesang, Tanz und Schauspiel, den Dingen, für die man eine jahrelange Ausbildung benötigt. Das Skript und die Songs in einer anderen Sprache lernt man grundsätzlich schneller.

Was hätten Sie in Eutin abweichend von den Auflagen gern anders gestaltet?

Dass wir die Songs nicht in englischer Sprache singen dürfen, finde ich schade, da die originalen Texte sehr poetisch und auch sehr passend auf der Musik liegen. An der West Side Story sehe ich persönlich ansonsten keinen Bedarf, Dinge zu verändern. Es ist ein zeitloses Werk und daher sicher auch einer der Gründe, warum es seit Jahrzehnten immer wieder rund um die Welt inszeniert wird.

Interview: Hartmut Buhmann

 

PERÜCKEN UND GEGLÄTTETES HAAR

Afro-Haar ist mehr als ein Styling-Thema – es ist Ausdruck von Identität, Geschichte und Widerstand. Was heute auf der Bühne als Perücke erscheint, trägt Spuren eines schmerzhaften Erbes: der Sklaverei, rassistischer Schönheitsnormen und dem Kampf um Selbstbestimmung.

In den Gründungszeiten der USA wurden Menschen als Sklaven systematisch unterdrückt und misshandelt. Neben körperlicher Gewalt und Entwürdigung spielte das Haar eine besondere Rolle in der Unterdrückung. In vielen Fällen wurden versklavten Frauen die Haare abrasiert. weltweit seit jeher ein Akt der Demütigung und Entmenschlichung. Natürliches Afro-Haar wurde von weißen Sklavenhaltern oft als »wild« oder »ungepflegt« angesehen, und das Abschneiden der Haare war eine
Methode, um Kontrolle auszuüben und kulturelle Identität zu zerstören.

Rassistische Schönheitsstandards beeinflussen noch immer die Wahrnehmung von Afro-Haar und Identität. Viele mussten sich über Generationen hinweg anpassen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden  sei es durch das Glätten der Haare oder das Tragen von Perücken. Perücken in diesem Stück sind also nicht nur ein ästhetisches Element, sondern auch ein Symbol für Geschichte, Widerstand und Selbstbestimmung.

Sie erzählen Geschichten von Anpassung, Stolz und kultureller Wiederaneignung. Afro-Haar ist mehr als ein Styling-Thema – es ist Ausdruck von Identität, Geschichte und Widerstand. Was heute auf der Bühne als Perücke erscheint, trägt Spuren eines schmerzhaften Erbes: der Sklaverei, rassistischer Schönheitsnormen und dem Kampf um Selbstbestimmung.

Till Kleine-Möller

Informationen

Nach einer Idee von JEROME ROBBINS

Buch von ARTHUR LAURENTS
Musik von LEONARD BERNSTEIN
Gesangtexte von STEPHEN SONDHEIM

Die Uraufführung wurde inszeniert und choreographiert von JEROME ROBBINS
Die Übertragung des Aufführungsrechts erfolgt in Übereinkunft mit MUSIC THEATRE INTERNATIONAL (EUROPE) LTD, LONDON.
Bühnenvertrieb in Deutschland: MUSIK UND BÜHNE Verlagsgesellschaft mbH, Wiesbaden.

Dirigent: Christoph Bönecker
Regie: Till Kleine-Möller
Choreographie: Timo Radünz
Bühnenbild: Jörg Brombacher
Kostümbild: Timo Radünz

Orchester: Festspielorchester Eutin

Alle Gesangstexte in Deutsch.

Dauer: Ca. 2,5 Stunden inklusive 30 minütiger Pause.