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Die Zauberflöte

Oper in zwei Akten

Er liebte das Leben, und er kannte es gut. Es kostete ihn keine Anstrengung, das Leben in seiner Kunst nachzuzeichnen, wie er es sah.

Die Zauberflöte – Oper in zwei Akten

Das unversöhnliche Schicksal des „Don Juan“ und die Heiterkeit der „Zauberflöte“ gehören vielleicht zum Größten, was die moderne Kunst geschaffen hat, und was der griechischen Kunst am nächsten kommt, worin ich sogar die Tragödien Glucks mit einschließe. Die erhabene Reinheit einiger Harmonien in der „Zauberflöte“ schwebt in Höhen, wohin kaum die mystischen Gluten der Gralsritter emporsteigen. Hier ist alles Licht. Hier ist nur noch Licht. In ihm erlosch Mozart am 5. Dezember 1791.

Die Zauberflöte – Handlung

Von einer Schlange verfolgt, bricht Tamino ohnmächtig zusammen. Drei Damen der Königin der Nacht, in deren Reich er geraten war, töten das Untier. Die Königin, von dem Vorfall unterrichtet, schickt Tamino ein Bild ihrer Tochter Pamina, die sich in der Hand ihres Feindes Sarastro befindet. Von dem Bild bezaubert, macht sich Tamino zusammen mit dem Vogelfänger Papageno auf, Pamina zu befreien. Die drei Damen überreichen ihm eine Zauberflöte und Papageno ein Glockenspiel. Drei Knaben sollen den Prinzen geleiten. — Pamina hat versucht, aus dem Palast Sarastros zu fliehen, aber ihr Wächter, der Mohr Monostatos, bringt sie zurück. Papageno ist es geglückt, zu ihr vorzudringen, und er erzählt ihr, daß ihre Mutter den Prinzen Tamino zu ihrer Rettung gesandt habe. — Die drei Knaben haben Tamino zu den Tempeln der Weisheit, Natur und Vernunft in Sarastros Reich geführt. Ein Priester klärt ihn über das Lügengewebe der nächtlichen Königin auf und deutet ihm an, daß er nur auf dem Weg über den Prüfungstempel Pamina erringen könne. Zum erstenmal sieht er die Geliebte, die auf der Flucht mit Papageno von Monostatos eingeholt worden war, im Kreise der Priester, wo ihm Sarastro den Weg der Prüfungen weist.

Sarastro verkündet den Priestern, daß Tamino von den Göttern zum Gemahl Paminas ausersehen sei, daß er sie aber zuerst dem bösen Einfluß ihrer Mutter entziehen müsse. Nach bestandenen Prüfungen sollen beide in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen werden. Die erste Prüfung gebietet Schweigen. Die Damen der Königin sind in den Palast eingedrungen und versuchen, Tamino und Papageno zum Reden zu bewegen, doch Tamino bleibt standhaft. — Die Königin der Nacht versucht, Pamina zu überreden, Sarastro zu töten und ihm den siebenfachen Strahlenkreis zu entreißen. Monostatos hat die Szene belauscht und glaubt, Pamina nunmehr zur Liebe zwingen zu können. Sarastro schützt sie vor dem Mohren und vermag, sie mit der Verkündigung wahrer Menschenliebe zu trösten. — Als zweite Prüfung wird Pamina zu Tamino geschickt, nicht ahnend, daß sie selbst eine Prüfung für den Geliebten ist. Wieder bleibt Tamino standhaft, Papageno dagegen verzichtet für Essen und Trinken und ein Mädchen auf die höheren Weihen und schwört selbst einem alten Weibe Treue. Alsbald steht sein Ebenbild Papagena vor ihm, das ihm aber entgleitet. — Aus verschmähter Liebe will sich Pamina das Leben nehmen. Doch die drei Knaben, die Genien Taminos, versprechen ihr, sie zu ihm zu bringen. — Gemeinsam bestehen Pamina und Tamino die letzte Prüfung, den Gang durch die Elemente. Die Zauberflöte schützt sie vor Feuer und Wasser. — Papageno ist nach der ergebnislosen Suche nach Papagena lebensmüde geworden. Wieder erscheinen die drei Knaben und raten ihm, mit seinem Glockenspiel Papagena herbeizurufen. — Einen letzten Versuch unternimmt die Königin der Nacht, die Macht an sich zu reißen. Geführt von Monostatos, der dafür die Hand Paminas fordert, ist sie mit ihrem Gefolge in den Tempel eingedrungen. Die Macht des aufgehenden Lichtes vertreibt sie. Sarastro führt Tamino und Pamina in den Sonnentempel ein.

Die Zauberflöte – Ensemble

EUTINER SOMMERSPIELE – Oper im Schloßpark
DIE ZAUBERFLÖTE

Oper in zwei Akten
Text: Emanuel Schikaneder
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

Musikalische Leitung: Erwin Jamrosy
Inszenierung: Ulrich Wenk
Bühnenbild: Michael Tietjens
Chöre: Fritz Arndt
Technische Leitung: Alwin Stroh
Beleuchtung: Walter Hasselmann
Masken: Rudolf Herbert
Inspizient: Titus Bremser

Sarastro –
Tamino – Helmut Schorr
Sprecher – Franz Grundheber

  1. Priester – Hans Wilpert
  2. Priester – Franz Merkel
    Die Königin der Nacht – Ingeborg Krüger
    Pamina, ihre Tochter – Helga Hildebrand / Ruth Inden

Drei Damen der Königin – Elfriede Zimmer / Ingrid Heyl / Barbara Klages
Drei Knaben – Marlene Kluge / Anke Eggers / (dritte unbenannt im Originalsatz)

Papageno – Dieter Niedung
Papagena – Hermann Rohrbach
Monostatos, ein Mohr – Jürgen Förster
Zwei Geharnischte – Dieter Niedung / Hermann Rohrbach

Priester, Sklaven, Gefolge
Hamburger Symphoniker
Chor der Eutiner Sommerspiele

Beginn 19.30 Uhr – Pause nach dem ersten Akt – Ende 22.15 Uhr

ROMAIN ROLLAND – Wolfgang Amadeus Mozart

Ich habe soeben Mozarts Briefe gelesen, die in jeder Bibliothek vorhanden sein sollten; denn sie sind nicht nur für den Künstler interessant, sondern wirken wohltuend auf alle Menschen. Wenn ihr diese Briefe gelesen habt, bleibt Mozart während eures ganzen Lebens euer Freund, und seine liebe Gestalt ersteht vor euch in allen Stunden der Not. Ihr vernehmt sein gutes, kindliches, heroisches Lachen, und man mag noch so traurig sein, man errötet, wenn man an dieses so heiter getragene Elend denkt.

Am meisten verblüfft bei ihm seine wunderbare moralische Gesundheit. Und sie ist um so erstaunlicher, wenn man an seinen von Krankheit untergrabenen Körper denkt. In ihm ist ein fast einzigartiges Gleichgewicht aller Fähigkeiten: eine Seele, die alles zu fühlen und alles zu beherrschen vermag; eine ruhige Vernunft, deren Kälte inmitten der tiefsten Gefühle (beim Tod seiner Mutter, in seiner Liebe zu Konstanze Weber) erstaunt; ein den Publikumsgeschmack und die Mittel zum Erfolg klar beurteilender Verstand, der sein stolzes Genie dem Sieg über die Welt anzupassen weiß, ohne sich ihr zu beugen.

Diese moralische Gesundheit ist bei sehr leidenschaftlichen Naturen höchst selten, da alle Leidenschaft die Übertreibung eines Gefühles ist. In Mozart sind alle Empfindungen vereinigt; aber er ist ohne Leidenschaft bis auf eine, und die ist furchtbar: der Stolz, das machtvolle Gefühl seines Genies.
Wenn wir diese große und einzige Leidenschaft — den Stolz — von ihm nehmen, so finden wir die liebenswürdigste und heiterste Seele, die voller Zärtlichkeit war. Mit ihr verbindet er gewöhnlich eine unerschöpfliche Fröhlichkeit, die sich über ein Nichts belustigt. Er ist immer in Bewegung, singt, hüpft, lacht närrisch über komische Dinge, noch häufiger, wenn sie nicht komisch sind, über gute und schlechte Witze — noch mehr über schlechte —, manchmal grobe, aber ohne Bosheit und ohne Hintergedanken und über Worte, die sinnlos sind. Tausend Beispiele gibt es bei ihm für diese Fröhlichkeit ohne Grund, für dieses gesunde Lachen. Es ist das Pulsieren eines überschwellenden, gesunden Blutes. Seine Sensibilität hat nichts Nervöses.
Er war ein ausgezeichneter Freund, wie nur die Armen es sein können — so sagt er selbst: „Die besten und wahrsten Freunde sind die Armen. — Die Reichen wissen nichts von Freundschaft!“

Seine Briefe an seine Frau — besonders die aus den Jahren 1789 bis 1791 — sprudeln über von verliebter Zärtlichkeit und närrischem Frohsinn. Sie sind kaum in Einklang mit der Krankheit, dem schrecklichen Elend und allen Sorgen zu bringen, die gerade diese Epoche zur grausamsten seines Lebens machten: „Immer zwischen Angst und Hoffnung.“ Er nimmt nicht, wie man vermuten könnte, eine tapfere Haltung an, um seine Frau zu ermutigen und ihr über die gegenwärtige Lage Illusionen zu machen; es ist vielmehr Mozarts unwiderstehliches Bedürfnis nach Heiterkeit, dessen er nicht Herr ist, und das er selbst inmitten der herzergreifendsten Traurigkeiten befriedigen will. Jedoch auch Mozarts Lachen liegt nahe beim Weinen, bei beglückten Tränen, von denen liebende Herzen voll sind.

Er war glücklich, obwohl keine Existenz härter als die seine war. Sie war ein unaufhörlicher Kampf gegen Elend und Krankheit. Nur der Tod setzte ihm ein Ziel — als er 35 Jahre alt war. Woraus entspringt also sein Glück? Vor allem aus seinem Glauben, der klar und ganz ohne Aberglauben war, ein starker, fester Glaube, der keinen Zweifel kannte, ja ihn nicht einmal streifte. Es war ein ruhiger, friedvoller Glaube, ohne Leidenschaft, ohne Mystizismus.
Aber die größte Freude für ihn bleibt das Schaffen. Bei den unruhigen und krankhaften Genies, wie Mozart eines war, ist es eine so vollkommene, natürliche Freude, daß es ihnen beinahe zum physischen Genuß wird. Für Mozart ist Komponieren und Spielen eine für sein Wohlbefinden ebenso unerläßliche Funktion wie Essen, Trinken oder Schlafen. Es ist ein Bedürfnis, eine Notwendigkeit für ihn — und zwar eine beglückende, weil er sich unaufhörlich genugtun kann.

Beethoven kämpfte Mann gegen Mann mit seinem Genie. Wenn seine Freunde ihn mitten im Komponieren überraschten, so fanden sie ihn in einem Zustand unerklärlicher Niedergeschlagenheit. „Seine Züge waren entstellt, der Schweiß rann ihm vom Gesicht, und es schien“, sagt Schindler, „als ob er eine Schlacht gegen eine Armee von Kontrapunktisten geliefert hätte.“ Es handelt sich hier wirklich um das Credo der d‑moll‑Messe. Aber immer skizziert er — er erwägt, verbessert, streicht aus, überlädt, fängt wieder von neuem an, und wenn alles fertig ist, beginnt er noch einmal von neuem und fügt zwei Noten dem Anfang des Adagios einer Sonate hinzu, das seit langer Zeit beendet und gestochen war. Mozart kennt solche Qualen nicht. Er kann alles, was er will, und er will nur, was er kann. Sein Werk ist gleich dem Duft seines Lebens: eine schöne Blume, die nur die Mühe hat zu leben.

Ein solches Genie mußte sich über das ganze Reich seiner Kunst ausbreiten und es mit gleicher Vollkommenheit beherrschen. Aber er war vor allem für das Musikdrama geschaffen. Wir brauchen uns nur die wesentlichen Züge seines Charakters zu vergegenwärtigen: eine harmonische Mischung von Sensibilität, Feinheit des Geistes, Zärtlichkeit und Selbstbeherrschung. Durch sie war Mozart von Natur aus befähigt, die tausend Nuancen fremder Seelen durch seine eigene zu erfassen, sich dem Schauspiel der Welt seiner Zeit hinzugeben und es in seinem musikalischen Werk mit poetischer Wahrheit neu aufleben zu lassen.

Er liebte das Leben, und er kannte es gut. Es kostete ihn keine Anstrengung, das Leben in seiner Kunst nachzuzeichnen, wie er es sah. Das unversöhnliche Schicksal des „Don Juan“ und die Heiterkeit der „Zauberflöte“ gehören vielleicht zum Größten, was die moderne Kunst geschaffen hat, und was der griechischen Kunst am nächsten kommt, worin ich sogar die Tragödien Glucks mit einschließe. Die erhabene Reinheit einiger Harmonien in der „Zauberflöte“ schwebt in Höhen, wohin kaum die mystischen Gluten der Gralsritter emporsteigen. Hier ist alles Licht. Hier ist nur noch Licht. In ihm erlosch Mozart am 5. Dezember 1791.

DER THEATERZETTEL DER URAUFFÜHRUNG LAUTETE

Heute Freytag 30ten September 1791 werden die Schauspieler in dem kaiserl. königl. privil. Theater auf der Wieden die Ehre haben aufzuführen zum Erstem male

Die Zauberflöte

Eine große Oper in zwei Akten, von Emanuel Schikaneder.

Die Musik ist von Hrn. Wolfgang Amade Mozart, Kapellmeister und wirklicher k. k. Kammerkompositeur. Hr. Mozart wird aus Hochachtung für ein gnädiges und verehrungswürdiges Publikum, und aus Freundschaft gegen den Verfasser des Stücks das Orchester heute selbst dirigieren!
Die Bücher von der Oper, die mit zwei Kupferstichen versehen sind, wo Hr. Schikaneder in der Rolle als Papageno nach wahrem Kostüm gestochen ist, werden bei der Theater‑Kassa vor 30 kr. verkauft.
Hr. Gayl Theatermahler und Hr. Neßlthaler als Dekorateur schmeicheln sich nach den vorgeschriebenen Plan des Stücks mit möglichsten Künstlerfleiß gearbeitet zu haben.

Die Eintrittspreise sind wie gewöhnlich.
Der Anfang ist um 7 Uhr.

Ein Brief an Constanze Mozart

Freytag um halb 11 Uhr Nachts
Wien, 7. Oktober 1791

Liebstes, bestes Weibchen! — Eben komme ich von der Oper „Die Zauberflöte“. Sie war ebenso voll wie allzeit. — Das Duetto Mann und Weib p: und das Glöckchenspiel im ersten Ackt wurde wie gewöhnlich wiederhollet — auch im 2t Ackt das Knaben‑Terzett — was mich aber am meisten freuet, ist, der stille Beifall! — man sieht recht, wie sehr und immer mehr diese Oper steigt. Nun meinen Lebenslauf; — gleich nach Deiner Abseeglung spielte ich mit Hr: von Mozart (: der die Oper beim Schickaneder geschrieben hat :) 2 Parthien Billard. — Dann verkauffte ich um 14 Duckaten meinen Kleper. — Dann ließ ich mir durch Joseph den Primus rufen und schwarzen Koffe hollen, wobey ich eine herrliche Pfeiffe Toback schmauchte; dann instrumentirte ich fast das ganze Rondo vom Stadtier, in dieser Zwischenzeit kam ein Brief von Prag vom Stadtier; — die Duscheckischen sind alle wohl; — mir scheint, sie muß gar keinen Brief von dir erhalten haben — und doch kann ich es fast nicht glauben! — genug — sie wissen schon alle die herrliche Aufnahme meiner teutschen Oper.

Hinweis zum historischen Kontext:

Die historischen Texte und Abbildungen dieser Rückschau (bis in die 1950er Jahre) stammen aus den jeweiligen Programmheften und Fotosammlungen und spiegeln ihre Zeit. Sie könnten Begriffe und Darstellungen enthalten, die heute als diskriminierend oder unangemessen gelten. Die Eutiner Festspiele distanzieren sich daher ausdrücklich von solchen Inhalten. Auch die Erwähnung teils umstrittener Persönlichkeiten erfolgt ausschließlich im historischen Zusammenhang. Der digitale Rückblick soll Geschichte transparent machen und zur kritischen Auseinandersetzung mit Sprache, Haltung und Zeitgeschehen anregen. Wo erforderlich, ergänzen wir erläuternde Hinweise. Hinweise auf sachliche Fehler oder notwendige Kontexte nehmen wir gerne unter entgegen.

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Christian Becker, Eutiner Festspiele

Dank an das Stadtarchiv Eutin, Herrn Jakob Paul Sperrle und an die Eutiner Landesbibliothek, Frau Dr. Betty Brux-Pinkwart.

Vielen Dank allen Freundinnen und Freunden der Festspiele für Materialien und Leihgaben zur Vervollständigung der Übersicht.

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Christian Becker, Marketing

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Eutiner Festspiele, Juni 2025