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My Fair Lady

Musical in zwei Akten von Frederik Loewe und Alan Jay Lerner

Eliza Doolittle ist eine von vielen Blumenverkäuferinnen auf dem Markt von Covent Garden. Sie ist frech, ihre Sprache derb, aber sie ist ein außergewöhnliches Mädchen. Das erkennt auch der Phonetikprofessor Henry Higgins, als er eines Abends nach einem Opernbesuch auf Eliza trifft.

My Fair Lady – Musical in zwei Akten von Frederik Loewe und Alan Jay Lerner

DIE HANDLUNG

Sprache ist Macht. Sie öffnet Türen, grenzt aus, schafft Zugehörigkeit – oder verhindert sie. Genau dieses Spannungsfeld steht im Zentrum des Musicals My Fair Lady, das auf dem Schauspiel Pygmalion von George Bernard Shaw basiert. Mit scharfem Witz und großer Menschlichkeit erzählt das Werk von sozialem Aufstieg, Identität und der Frage, was einen Menschen wirklich ausmacht.

1. Akt

London im Jahr 1912.
Nach einem Opernbesuch strömt das Publikum in die nächtlichen Straßen der Stadt. Hier begegnen sich unterschiedliche gesellschaftliche Welten – und zwei Menschen, deren Zusammentreffen alles verändern wird: der Sprachwissenschaftler Professor Henry Higgins und das junge Blumenmädchen Eliza Doolittle.

Eliza verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Blumen. Ihre Sprache ist rau, direkt und geprägt vom Dialekt der Londoner Unterschicht. Genau das zieht die Aufmerksamkeit von Higgins auf sich. Als Spezialist für Phonetik ist er überzeugt, allein anhand der Aussprache Herkunft und sozialen Status eines Menschen bestimmen zu können. Elizas Sprache fasziniert ihn als Studienobjekt – menschlich jedoch begegnet er ihr mit Arroganz und Geringschätzung.

Begleitet wird Higgins von seinem Kollegen Oberst Pickering, der zwar dieselbe Leidenschaft für Sprachforschung teilt, Eliza jedoch mit Respekt und Höflichkeit begegnet. Zwischen beiden Männern entspinnt sich ein Gespräch über Sprache, Bildung und gesellschaftliche Schranken. Higgins behauptet selbstbewusst, er könne aus Eliza innerhalb weniger Monate eine Dame formen, die in den höchsten Kreisen Londons nicht auffallen würde.

Eliza hört von dieser Behauptung – und erkennt ihre Chance. Ihr Leben ist geprägt von Armut und Verantwortung: Sie sorgt nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihren Vater Alfred Doolittle, der Arbeit und Verpflichtungen meidet und lieber von der Hand in den Mund lebt. Eliza träumt von einem besseren Leben, vielleicht sogar von einer Anstellung in einem richtigen Blumenladen. Doch dafür müsste sie „anders sprechen“.

Am nächsten Tag erscheint Eliza bei Higgins und bittet ihn um Unterricht. Der Professor ist zunächst wenig begeistert. Erst als Alfred Doolittle auftaucht und auf seine eigene, skrupellose Weise versucht, aus der Situation Profit zu schlagen, lässt sich Higgins auf das Experiment ein. Gemeinsam mit Pickering schließt er eine Wette: In sechs Monaten soll Eliza bei einem vornehmen Gesellschaftsereignis als Dame durchgehen.

Der Unterricht beginnt – und er ist gnadenlos. Higgins behandelt Eliza wie ein wissenschaftliches Projekt. Stundenlange Lautübungen, ständige Korrekturen und schroffe Kommentare prägen den Alltag. Eliza fühlt sich gedemütigt, ist erschöpft und denkt mehrfach ans Aufgeben. Doch langsam zeigen sich Erfolge: Ihre Aussprache wird klarer, ihre Sprache kontrollierter.

Ein erster öffentlicher Test findet bei einem gesellschaftlichen Ausflug statt. Eliza soll beweisen, dass sie sich in feiner Umgebung behaupten kann. Zwar ist ihre Aussprache nahezu fehlerfrei, doch ihre Wortwahl und Themenwahl entlarven sie. Die Gesellschaft reagiert irritiert, Higgins amüsiert sich über den Zwischenfall. Eliza hingegen ist beschämt. Immerhin findet sie einen Bewunderer: Freddy Eynsford-Hill, ein junger Mann aus gutem Hause, verliebt sich aufrichtig in sie.

2. Akt

Die Arbeit an Eliza geht weiter – intensiver denn je. Ihre Sprache ist nun nahezu perfekt, doch gesellschaftliche Bildung, Haltung und Selbstverständnis bleiben eine Herausforderung. Alles steuert auf den entscheidenden Moment zu: einen großen Ball, auf dem Eliza sich endgültig beweisen soll.

Der Abend wird ein Triumph. Eliza bewegt sich selbstverständlich unter den Gästen, spricht elegant und souverän. Niemand zweifelt an ihrer Herkunft. Im Gegenteil: Man hält sie für eine geheimnisvolle Adlige aus dem Ausland. Higgins hat die Wette gewonnen.

Doch während der Professor seinen Erfolg feiert, steht Eliza am Rand. Niemand dankt ihr. Niemand fragt nach ihr. Ihr wird schmerzhaft bewusst, dass sie für Higgins nie mehr war als ein Beweis seiner eigenen Genialität.

Nach dem Ball kommt es zum offenen Konflikt. Eliza wirft Higgins vor, sie benutzt und anschließend fallen gelassen zu haben. Er reagiert verständnislos und kalt. Für ihn zählt allein das Ergebnis – Gefühle sind nebensächlich. Tief verletzt verlässt Eliza sein Haus.

Auf der Suche nach Halt versucht sie, in ihr früheres Leben zurückzukehren. Gemeinsam mit Freddy besucht sie das Viertel, in dem sie einst Blumen verkaufte. Doch sie gehört nicht mehr dazu. Die Menschen erkennen sie nicht wieder. Ihre alte Welt ist ihr fremd geworden – die neue jedoch ebenfalls.

Auch die Begegnung mit ihrem Vater bringt keine Erlösung. Alfred Doolittle hat durch eine Verkettung von Umständen plötzlich Wohlstand erlangt. Der neue gesellschaftliche Status zwingt ihn zu Verantwortung und Konventionen, die er verabscheut. Er fühlt sich gefangen – und Eliza erkennt, dass auch für sie hier kein Platz mehr ist.

Schließlich trifft sie erneut auf Higgins. Der Streit eskaliert. Eliza macht deutlich, dass sie gelernt hat, auf eigenen Beinen zu stehen – nicht dank, sondern trotz Higgins. Sie verlässt ihn entschlossen.

Erst jetzt begreift Higgins, was er verloren hat. Ohne Eliza wirkt sein Leben leer. Doch ob er fähig ist, sich zu ändern, bleibt offen.

DER REGIE-TATORT MY FAIR LADY

Ein Gespräch mit Regisseur Hardy Rudolz über seine Ansichten zu My Fair Lady" und die Besonderheiten der Freilichtbühne in Eutin. Seine Devise: Das Publikum darf mitsummen.

Herr Rudolz, Sie haben in München im Theater am Gärtnerplatz den Professor Higgins verkörpert, in Berlin den Freddy, aber Regie für My Fair Lady führen Sie erstmals in Eutin. Knüpfen Sie dabei an eine der Ihnen vertrauten Inszenierungen an oder haben Sie schon lange einen eigenen Plan für My Fair Lady, den Sie jetzt endlich realisieren können?

Anknüpfen werde und kann ich nicht, schon durch die Gegebenheiten, die mich in Eutin erwarten. Man kann eine Inszenierung, die für einen geschlossenen Theaterraum mit großartigen technischen Möglichkeiten konzipiert ist, nicht mit einer Freilichtbühnen- Inszenierung vergleichen oder gar in Einklang bringen. Natürlich werde ich das aus Erfahrung Gelernte anders und vielleicht auch besser umsetzen, um für die Eutiner Bühne eine hoffentlich optimale und für die Zuschauer gefällige „Lady" zu schaffen, in Zusammenarbeit mit meinem gesamten Team auf und hinter der Bühne.

Wie stark werden Sie als Regisseur das Bühnengeschehen durch Higgins' Brille betrachten? Werden wir ihn wie einen Professor Boerne aus dem Münster-Tatort erleben?

Ich kenne Professor Boerne nicht und habe bis heute kaum einen Tatort bis zum Ende durchgehalten. Ich hoffe, man verzeiht es mir. (Rudolz lächelt.) Dabei frage ich mich gerade auch, weshalb ein Tatort ausgerechnet in Münster spielen muss. Eutin ist doch eine viel schönere Stadt ...

Bleiben wir einfach beim Tatort Freilichtbühne. Wie legen Sie Ihre Inszenierung an?

Ich werde George Bernard Shaws Pygmalion ganz stückgetreu inszenieren und spielen lassen. Es gibt viele Musicals, die große Klassiker als Vorlage oder Libretto genommen haben, wie z.B. die West Side Story (Romeo und Julia) oder Kiss Me Kate (Der Widerspenstigen Zähmung) und eben My Fair Lady (Pygmalion). Ich vertrete den Standpunkt, dass diese großartigen Welterfolge, an denen schon mehrere berühmte Autoren und Musiker gearbeitet haben, es verdienen, so erzählt zu werden, wie sie ursprünglich auch gedacht waren.

Sie halten also nichts von Verfremdungen oder zeitgemäßen Auffrischungen klassischer Werke?

Ein Werk wie My Fair Lady ist so gut und so stark, dass es trotz verzweifelter und rücksichtsloser Versuche von radikaler Avantgarde-Regie bis heute überlebt und den Zuschauern immer wieder Freude gebracht hat. Wenn man als Regisseur einem Stück nicht vertraut und es deshalb auf Biegen und Brechen verändern will, sollte man es, schon alleine aus Respekt vor den Autoren, nicht inszenieren, sondern ein neues, vielleicht sogar ein eigenes Stück schreiben.

Bleiben Sie mit Ihrer Inszenierung auch ausstattungsmäßig in der typisch viktorianischen Ära vor dem Ersten Weltkrieg oder verlegen Sie diese Aschenputtel-Geschichte eher in die Pretty-Woman-Neuzeit7

Wie schon gesagt, in Eutin bewahrt man Stücktreue, deshalb spielt es in und um London im Jahre 1912.

Apropos Pretty Woman: Ist Eliza aus Ihrer Sicht am Ende noch auf Higgins versessen oder geht sie unabhängig ihrer Wege? Man fragt sich tatsächlich, warum sie am Ende wieder zu Prof. Higgins zurück kommt. Es gäbe viele Möglichkeiten, es anders zu inszenieren. Aber wie heißt es so schön: „Spitzfindig ist die Liebe". Ich glaube, Eliza spürt, was Higgins trotz seiner unverschämt ruppigen Art für sie empfindet, und natürlich liebt sie ihn auch. Wo die Liebe halt hinfällt ...

Wie wollen Sie das Problem lösen, ein in 18 szenische Bilder gefasstes Erfolgsstück auf der Freilichtbühne ohne Vorhang und Drehbühne schwungvoll ablaufen zu lassen? Wir werden vor den Augen der Zuschauer ganz öffentlich und leicht choreografisch die Szenen wechseln. Die Choreografie wird durch die Bühne nicht unbedingt beeinträchtigt. Es ist natürlich immer etwas hinderlich und ungesund, auf einer schrägen Bühne zu tanzen. Zum Beispiel hatte Cats im Hamburger Operettenhaus auch eine stark angeschrägte Bühne, trotzdem mussten die Choreografien klappen. Ich persönlich empfand gerade Drehungen und Sprünge bei dieser schrägen Bühne als sehr schwierig und gefährlich.

Haben Sie einmal überlegt, in der deutschen Sprachversion für Elizas Biotop die Berliner Schnauze durch Hamburger Missingsch zu ersetzen?

Ja, ich würde es zu gerne up Platt oder High Platt machen! Ich bin sicher, es würde hier im Norden gut ankommen.

Ist die Sprache heute noch ein Merkmal, das soziale Abstufungen kennzeichnet und teilweise unüberwindbar wirkt? Auf jeden Fall. Auffallend ist, dass die Grenzen heutzutage immer mehr verschwimmen. Das ist ein großes Thema, ich muss mich da zurückhalten. Wenn ich allein nur die Moderatoren im TV und Radio höre! Sprachstile und Aussprache sind teilweise unfassbar schlecht, und trotzdem sitzen sie am Mikrofon. Da kann ich zum Professor Higgins werden!ll Ich liebe die deutsche Sprache. Sie lässt sich auch ausgezeichnet singen. Wer das Gegenteil behauptet, hat nie verstanden, sie zu singen.

Worauf sollten die Zuschauer in Eutin bei Ihrer My Fair Lady besonders achten?

Sie sollen auf nichts achten. Sie sollen einfach zuhören, sich auf die Geschichte einlassen, mitempfinden, reagieren und die schönen Melodien genießen. Ich habe in einer „Lady" - Inszenierung als Zuschauer gesessen und neben mir wurde leise mitgesummt. Das fand ich einfach nur ... wunderscheen.

Das Gespräch mit Hardy Rudolz führte Hartmut Buhmann

68 JAHRE LIEBE ZUR MUSIK

Von Klassik bis Moderne – ein Blick auf die Kapitel einer wechselhaften Geschichte, die ein besonderer Glücksfall für die klassische Musik in Deutschlands Norden ist.

Wie heißt es so schön? „Holsatia non cantat – Holstein singt nicht“. Das holsteinische Eutin hat das nicht gewusst und einfach mit dem Gesang begonnen. Mit enormem Erfolg: Die Eutiner Festspiele gelten heute als die romantischsten Musikfestspiele des Landes. Der einmalige Zusammenklang von Natur und Kultur mit dem Programm aus Oper, Operette und Musical auf einer der schönsten Naturbühnen Norddeutschlands verzaubert
Musikliebhaber aus aller Welt. Die Tribüne im Schlossgarten, direkt am Großen Eutiner See, kommt trotz ihrer rund 1.900 Sitzplätze ganz ohne akustische Verstärkung aus und bereitet so musikalischen Genuss höchsten Ranges – auf allen Rängen. Werfen Sie mit uns einen kleinen Blick hinter die Kulissen dieser faszinierenden Festspiele.

Himmlisches Debüt: Der Freischütz unter freiem Himmel
Das Debüt der Eutiner Festspiele ist legendär: Zur Feier des 125. Todestages Carl Maria v. Webers gab Eutin den Freischütz  am 16. Juni 1951 erstmals unter freiem Himmel. Der verwunschene Schlossgarten und der Große Eutiner See wurden zur natürlichen Bühne und Kulisse, die Aufführung wurde frenetisch gefeiert – die Eutiner Freilichtoper war geboren. Bis Ende Juli waren sieben Wochenenden ausverkauft, 15.000 Zuschauende und ungetrübtes Sommerwetter waren dabei. „Ein Wunder!“, staunte im Nachhinein Erwin Jamrosy, der musikalische Leiter und Mitbegründer dieses Opern-Phänomens. Der erprobte Freischütz-Dirigent Ulrich Windfuhr fasste die Magie der Atmosphäre in Worte: „Wenn es dämmert, kräht, die Bäume rauschen, der Mond aufzieht, man den See im Rücken spürt, dann wird das Publikum richtig eingesogen von der Musik, wie es keine 3D-Animation und kein Regisseur in Szene setzen kann.“

Eutin dankt: Hommage an Weber
Eine kleine Stadt in Holstein wagt die große Oper: Der Stolz auf den großen Sohn der Stadt machte es möglich. Carl Maria von Weber – 1786 in Eutin geboren – kehrte 1820 als junger, erfolgreicher Komponist, Pianist und Dirigent nur kurz in seine Geburtsstadt zurück; die Verbundenheit mit seiner Heimatstadt blieb jedoch lebenslang bestehen. Zu Lebzeiten wie nach seinem frühen Tod 1826 feierte Eutin seinen Lieblingsspross: mit Chortreffen, dem Denkmal im Weber-Hain sowie jährlichen Weber-Feierlichkeiten. Schon damals übrigens wurden diese prachtvollen Andenken nur dank engagierter Bürger, Mäzene und Spendenaktionen möglich.

Das Schlossgarten: Komposition aus Natur und Kultur
Er empfängt Besucherinnen und Besucher voll natürlicher Festlichkeit: der Eutiner Schlossgarten. Mit der Ouvertüre seiner stimmungsvollen Lindenallee über das Duett frischer Wasserläufe und Brücken bis zum Ensemble aus Tempeln und Pavillons ist der Englische Landschaftsgarten ein Arkadien für die Sinne. Der Kinderberg mit weitem Wasserblick gilt als ideale Naturbühne; die Akustik auf der halbrunden Tribüne ist unerhört: Bei entsprechender Witterung ist jeder noch so leise gesungene Ton bis zum äußersten Platz präzise hörbar. Wie eine Schallwand wirkt die mächtige Baumkulisse des Schlossgartens – von hinten werden Stimmen und Töne von der freien Seefläche reflektiert. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog äußerte bewegt: „Nirgendwo erlebt man Oper intimer“, und der ehemalige Bundespräsident
Horst Köhler schwärmte: „Wir waren überwältigt von der gelungenen Aufführung und dem schönen Abend am See. Für uns war es ein Höhepunkt unserer Tage in Schleswig-Holstein.“

Spiel der Zeit: Eutiner Opernbühne im Wandel
Zum Auftakt der Festspiele 1951 war die Bürgerbeteiligung
riesig: Hunderte Eutiner meldeten sich als Chorsänger, Kostümschneider und Kulissenbauer zu Webers Ehren. Das Geschick der Spiele wurde – nicht anders als auf dem Grünen Hügel – entscheidend von den Intendanten geprägt. Von 1951 bis 2004
waren das nur vier Männer, von 2005 bis 2010 gleich drei, aber über alle Wechsel hinweg gab es eine Konstante: Webers Freischütz stand nahezu ununterbrochen auf dem Spielplan, daneben avancierten Mozarts Zauberflöte, Lortzings Zar und Zimmermann sowie Operetten wie Der Zigeunerbaron und Der Vogelhändler zu Stammwerken. Die Auswahl der Künstler war erlesen: Weltstars wie Julie Kaufmann, Gladys Kuchta, Hermann Prey, René Kollo oder Zoran Todorovich wurden von begeisterten Zuschauern umjubelt. Seit November 2011 hat erstmals eine Frau die
Intendanz inne: Dominique Caron. Als erste weibliche Stimme im Intendanten-Chor setzt sie die Tradition populärer Musikaufführungen im Schlossgarten fort – mit Opern wie Nabucco, Carmen, Die Zauberflöte oder dem Musical Anatevka. Carons Credo: Sie macht sich stark für ein Team auf und hinter der Bühne und eine harmonische Zusammenarbeit. Und
dafür, dass Eutin auch weiterhin auf der aktuellen Weltkarte der Oper von sich hören lässt.

Das Wunder: Renaissance der Festspiele  
Im Schicksalsjahr 2010 hatte der Intendant der Hamburger Symphoniker, Daniel Kühnel, die Gesamtleitung in der Opernscheune inne, als im Frühsommer Josef Hussek als Geschäftsführer startete. Die von ihm vorgefundenen Finanzlöcher brachten die Festspiele zu Fall: Mitte Oktober meldete Hussek Insolvenz an. Doch auf das Wunder ist Verlass bei den Eutiner Festspielen: Zur Weihnachtszeit 2010 erhielt Eutin aus seiner amerikanischen Partnerstadt Lawrence, wo die Universität Kansas eine Musikhochschule fördert, für den Sommer 2011 eine komplette Inszenierung der Märchenoper Hänsel und Gretel geschenkt. Damit war – neben der Zusage weiterer öffentlicher Zuschüsse – der Grundstock für die Neuen Eutiner Festspiele gelegt. Sie packten 2011 als gemeinnützige GmbH unter der Regie der Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) den Neustart an: mit ermutigendem Erfolg. Wie schon bei der Gründung 1951 sorgte bürgerschaftliches Engagement mit hohem persönlichen Einsatz für das Aufleben und den freien Atem weiterer Opernaufführungen in Eutin.  

Exzellenz trifft Engagement: Enjoy Eutin!
Die Neuen Eutiner Festspiele werden weiterhin begeistern und entflammen durch das gelungene Zusammenspiel aller Kräfte: künstlerische Exzellenz, Leidenschaft und profundes Wirtschaften, zusammen mit jeder Menge freiwilligem Engagement. Es wird jede Saison ein neues Wunder sein, wenn von Mitte Juni bis Ende August bis zu 300 Menschen auf und hinter der Bühne arbeiten; oft unter Termindruck, hadernd mit Lampenfieber, improvisierend, lachend, schimpfend, Wind und Regen trotzend – und strahlend, wenn der Beifall des Publikums sie begeistert umtost. Und es wird ein Fest werden, wenn alle Akteure gemeinsam diese faszinierenden Festspiele jetzt und in Zukunft jeden Sommer wieder zum Fliegen bringen.

PYGMALION AUS EUTINER FEDER

Der römische Dichter Ovid hat den Pygmalion-Mythos in seinem Hauptwerk „Metamorphosen“ besungen. Der Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voß, von 1782 bis 1802 Rektor in Eutin, legte hier 1798 eine bleibende Übertragung von Ovids Werk ins Deutsche vor.

Durch die Fehle gekränkt, die dem weiblichen Sinne so häufig
Gab die Natur, verlebte Pygmalion ohne Genossin
Einsame Tag‘, und entbehrt‘ ehlos des geselligen Lagers.
Jetzt mit bewunderter Kunst voll Leichtigkeit schnitzet er helles
Elfenbein und gibt ihm Gestalt, wie nimmer noch aufwuchs
Irgendein Weib, und betrachtet sein Werk mit inniger Liebe.

Jungfrau ganz erscheinet das Bild; ganz lebe sie, glaubt man,
Und, wenn nicht abhalte die Scheu, sie versuche Bewegung.
So war Kunst umhüllet mit Kunst! Pygmalion, staunend,
Schöpft mit entflammeter Brust des geähnlichten Leibes Entzückung.
Oftmals faßt er das Werk mit prüfender Hand, ob es Leib sei,
Ob, was er nimmer bekennt, aus Elfenbeine gebildet.

Küsse reicht er, und wähnt sich geküßt, liebkost und umarmet;
Glaubt, daß schwellender Wuchs nachgeb‘ anrührenden Fingern;
Und ist besorgt, es entstelle der Druck durch Bläue die Glieder.
Bald mit schmeichelnder Red‘ und bald mit Mädchengeschenken
Wirbt er und trägt ihr Muscheln heran und gerundete Kiesel,
Manches Vögelchen auch und tausendfarbige Blumen,
Lilien auch und gezeichnete Bäll‘ und Tränen vom Baume,
Welche die Helias weint. Mit Gewand‘ auch schmückt er die Glieder,
Gibt an die Finger Gestein, gibt hangende Schnüre dem Halse,
Und läßt Perlen am Ohr, um die Brust ihr schweben die Kettlein,
Alles geziemt; doch scheint sie auch nackt nicht weniger lieblich.
Diese legt er auf Decken, gefärbt in sidonischem Purpur,
Nennt sie trauteste Gattin und streckt dem gelehneten Nacken
Weich umwallenden Flaum, als ob sie fühlte, zum Lager.

Venus heiliger Tag, hochfeierlich allen in Cyprus,
Kam; und umzogen mit Golde die langgewundenen Hörner,
Sanken dem Schlage dahin mit schneeigem Nacken die Kühe;
Weihrauch wölkte den Dampf. Er stand nach vollendetem Opfer
An dem Altar, angstvoll: Wenn ihr Himmlischen alles vermöget,
Werde mein Weib – nicht wagend, die elfenbeinene Jungfrau!
Rief Pygmalion nur – der elfenbeinenen ähnlich.

Wohl verstand, dem Feste genaht, die goldene Venus,
Was der Flehende wünscht‘; und göttliche Huld ihm verkündend,
Loderte dreimal die Flamm‘, und schwang sich gespitzt in die Luft auf.

Heim eilt jener zum Bilde zurück des trautesten Mägdleins,
Neigt sich über das Lager und küßt; und sie scheint zu erwarmen.
Wieder naht er dem Mund‘ und wagt auch die Brust zu versuchen;
Weich wird‘s unter der Hand; des Elfenbeines Erstarrung
Senkt sich dem Druck der Finger und weicht: wie das Wachs des Hymettus
Schmeidiger wird an der Sonn‘ und dem zwingenden Daum in Gestalten,
Immer verändert, sich biegt und brauchbarer durch den Gebrauch wird.
Während der Liebende staunt und bange sich freuet und Täuschung
Wieder besorgt und wieder den Wunsch mit den Händen berühret,
War sie Leib; und es schlagen, versucht vom Daume, die Adern.
Jetzo erhebt der paphische Held vollströmende Worte,
Worte des Danks zu Venus, der Gütigen! Endlich vereint er
Zum nicht täuschenden Munde den Mund: die gegebenen Küsse
Fühlt die Errötende, hebt zu dem Lichte die leuchtenden Augen
Schüchtern empor und schaut mit dem Himmel zugleich den Geliebten.

Informationen

Musikalische Leitung: Romely Pfund
Inszenierung: Hardy Rudolz
Bühnenbild: nach Entwürfen von Ursula Wandaress
Kostümbild: Martina Feldmann
Lichtdesign: Ismael Schott / Silvio Schneider
Choreographie: Vanni Viscusi
Chorleitung: Romely Pfund
Produktionsleitung: Anna-Luise Hoffmann
Korrepetition: Niki Liogka
Regieassistenz: Björn Reinke
Inspizienz: Peter Priegann

Orchester: Kammerphilharmonie Lübeck (KaPhil!)

Weitere Mitwirkende

Technische Leitung: Rainer Stute Technische Beratung: Arend Knoop Bühnenmeister: Silvio Schneider Beleuchtungsmeister: Silvio Schneider / Ismael Schott Beleuchtung: Marvin Stahnke / Marcel Nimke / Christopher Riches Tonmeister: Christian Klingenberg Requisite: Hans W. Schmidt Bühnenmaler: Alp Arslan Tokat / Michael Baltzer / Frank Schmidt / Natalia Vottariello / Petra Schoenewald Bühnen- und Kulissenbau: Ole Kwiatkowski / Thomas Andersen / Tadek Pawelczak / Dietrich Witt / Jakob Brunken Leiterin Kostümabteilung: Martina Feldmann Schneiderei: Hildegard Baaske / Helena Belz / Tatjana Kleinmann / Kira Neller / Angelika Wallbrecht / Constanze Brunion Ankleider/-in: Eveline Flessau / Edgar Girolla Chefmaskenbildnerin: Marlene Girolla-Krause Maske: Gabriela Kunte / Merle Bracker / Susanne Koeck / Dörte Maas

Orchester KaPhil!

Die Kammerphilharmonie Lübeck ist seit 2016 das Hausorchester der Eutiner Festspiele. Sie wurde von freischaffenden Musikern aus Norddeutschland gegründet mit dem Ziel, klassische Musik auf innovativen Wegen in unsere Zeit zu transportieren. Ihr Leitbild sind neue Klangräume in jeglicher Hinsicht. Neben der klassischen Musik von Bach bis Berio werden auch aktuelle Kompositionen, Soundtracks sowie Jazz, Pop, Rockwerke von verschiedenen Besetzungen realisiert und miteinander verknüpft. Die ständige Bereitschaft, alte Konzertformate mit Offenheit und Neugierde zu erweitern, ohne dabei den Respekt vor bewährten Traditionen zu verlieren, ist eine elementare Grundhaltung der Musiker. Sie bestimmen ebenso eigenverantwortlich mit über die Organisation, Probenkultur und Repertoireauswahl. Niemand aus dem Orchester soll seinen Part wie ein musikalischer Roboter abliefern müssen, sondern jedes Mitglied sich mit dem Ergebnis der gemeinsamen Klangarbeit identifizieren können. Das ist das erklärte Ziel, das der Schlagzeuger Andy Limpio und der Posaunist Helge Tischler mit ihrer Initiative zur Gründung der KaPhiL! verknüpften. Musikalisch befeuert werden die Musiker durch ihren Chefdirigenten Leo Siberski, der einen enormen Erfahrungshorizont aus allen Bereichen des Musikgeschäfts einbringt.

Violine 1: Markus Menke / Vahram Sardaryan / Wiltrud Menke / Enrique Alejandro / Molina Redondo / Vera Marreck / Evgenia Feizo / Ivanna Ilina-Frolikov / Maike Schmersahl / Hovhannes Partizpanyan Violine 2: Svenja Lippert / Katharina Kowalski / Desheng Chen / Anita Swiatek / Hrant Arakelyan / Ninela Lamaj / Oksana Golovko / Nele Schmidt Bratsche: Kevin Treiber / Lukas Schwengebecher / Hye-Rin Rhee / Alona Wetrowa / Emilia Stępień / Anatol Markoni Cello: Tine Schwark / Konrad Seeliger / Alonso Urrutia / Noelia Balaguer Sanchis / Alexandra Silina-Zaitsev / Natalie Hahn Kontrabass / Till Baumann / Alf Brauer / Daniel Tolsdorf / Joanna Makarczuk Flöte: Arevik Khachatryan / Anna Denise Rheinländer Oboe: Johans Camacho Aguirre / Britta Just Klarinette David Arbeiter / Michael Elvermann / Odilo Ettelt Fagott: Markus Pfeiff Horn: Karl Unger / Radek Zamojski Trompete: Tobias Hain / Johannes Lugger / Yuki Takahata Posaune: Luka Stankovic / Felix Griese / Helge Tischler / Thomas Bender Tuba: Diego Armando Hernandez Cardona Schlagzeug: Holger Roese / Clemens Ohlendorf / Julian Grebe Harfe: Janina Gloger-Albrecht

Der Festspielchor

Ein vielstimmiger, szenisch beweglich agierender Chor gehört zu den Markenzeichen der Eutiner Festspiele. Kein Wunder: Die Freilichtbühne am Großen Eutiner See ist aufgrund ihres natürlichen, offenen Klangraumes der ideale Spielort für Opern mit zahlreichen Solisten und vielen Chorpartien. Bei der Programmgestaltung ist jedes Jahr ein entscheidendes Kriterium, welchen Anteil der Chor in den zur Auswahl stehenden Werken hat. Der Anspruch, den Chor möglichst oft auf der Bühne in Aktion zu erleben, verlangt ein Höchstmaß an stimmlicher Präsenz und homogener Klangfarbe. Diese Anforderungen sind die Richtschnur bei der Besetzung der Stimmlagen im Chor, so dass ein Engagement bei den Eutiner Festspielen traditionell ein Gütesiegel für Chorsänger ist. Ebenso Tradition bei den Festspielen hat die Ergänzung des von Profis und Musikstudenten gebildeten Chors durch Laiensänger aus Eutin und Umgebung. Diese personelle Verbundenheit und das ehrenamtliche Engagement sorgen immer wieder für belebende Impulse rund um die Freilichtbühne. Dieser Extrachor, bei den Festspielen intern Eutiner Chor genannt, beginnt meist schon im Januar mit wöchentlichen Proben für die Partien der kommenden Spielzeit, bevor im Juni die Probenarbeit des gesamten Chors startet. Chorleiterin ist seit 2017 Romely Pfund.

Uta Preisinger / Kristina Struy / Anke Motz / Claudia Jahrke / Sylvia Kölle / Maren Baumeister / Claudia Bohrer-Rodriguez / Astrid Cordes / Anke Ellermann / Sabine Cyrus / Uschi Richert / Maike Werthen / Erwin Groke / Marco Schumann / Dr. Gerhard Lange / Karl-Winfried Bode / Sören Hand / Satoko Koiwa Profis und StudentenLea Bublitz / Jasmin Delfs / Sebastian Malkowski / Juan Vi l lanueva / Jeremy Almeida-Uy / Chiaki Shimoji / Ayleen Gerull / Elisabeth Wöllert / Djordje Papke / Maxim Kurtsberg / Kasimir Krzesinski / Wolf Leichsenring / Jerzey Kwika / Masanori Hatsuse / Kerstin Auerbach / Thomas Bernardy