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Der Freischütz

Waldpoesie und Dämonenspuk – Zur 100. Vorstellung „Der Freischütz“

Waldpoesie und Dämonenspuk – Zur 100. Vorstellung „Der Freischütz“ – Erhard Schimanski

Der Freischütz – Waldpoesie und Dämonenspuk – Zur 100. Vorstellung „Der Freischütz“

Die romantische Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber (1786—1826) wird im Sommer 1969 zum 100. Mal auf der Freilichtbühne im Eutiner Schloßgarten von den Eutiner Sommerspielen aufgeführt. Das musikalische Erbe der früheren fürstbischöflichen Stadt in der ostholsteinischen Schweiz gewann an Bedeutung, als sich am 5. Juni 1951 der 125. Todestag Webers jährte. Aus diesem Anlaß sollten in einer Gedenkwoche in festlicher Form Werke des Komponisten in seiner Geburtsstadt dargeboten werden. So beschlossen es u. a. der damalige Eutiner Bürgermeister Dr. Ulrich Ricklefs, Kreiskulturreferent Kurt Brinck und Kapellmeister Erwin Jamrosy, als sie am 13. April 1951 die Eutiner Sommerspiele e. V. gründeten. Sie war Trägerin der Weber‑Festspiele 1951.

Die Festfolge begann am 5. Juni 1951 mit einer Gedächtnisfeier. Die Festrede hielt Prof. Dr. Hans‑Joachim Moser, Berlin. Unter der Leitung von Prof. Andreas Hofmeier (1872—1963) wurde Webers Missa Sancta in G in der Stadtkirche aufgeführt. Solist eines Sinfoniekonzertes war der Pianist Detlef Kraus. Das Carl‑Maria‑von‑Weber‑Orchester dirigierte Erwin Jamrosy. Bedeutend war die Aufführung des Freischütz am 16. Juni 1951 im großherzoglichen Schloßpark. Ein Rezensent berichtete:

„Vor einer reizvollen Waldkulisse, die der Inszenierung ganz besondere Möglichkeiten gibt, erfuhr das Werk eine wohlgelungene und beifallumrauschte Wiedergabe. Ganz ausgezeichnet gelang Kurt Brinck die Massenregie. Der Chor entwickelte sich zu einer plastisch reich gegliederten Volksmenge. Choreographie und farbenfreudige Kostüme verschmolzen mit der Landschaft zu einem begeisternden Bild.“

Vorgesehen waren nur zwei Vorstellungen, doch erst nach der achten Aufführung waren die Weber‑Festspiele 1951 beendet.

Mit dem Freischütz eng verbunden war seit dessen Eutiner Erstaufführung der Initiator der Eutiner Sommerspiele und spätere Intendant und Regisseur Kurt Brinck (1898—1968). Nach seinem Gesangsstudium war er am Stadttheater Halle/S. engagiert, später als stellvertretender Intendant und Oberspielleiter am Stadttheater Halberstadt. Nach dem Krieg ernannte ihn der Kreis Eutin zum Kulturreferenten. Seit 1959 bekleidete er das Amt des Bürgervorstehers der Stadt Eutin. Für seine Inszenierungen (1951—1967) engagierte er Sänger von bedeutenden deutschen Opernhäusern. Rund 150 Solisten gastierten an der Oper im Schloßpark. Viele von ihnen hielten jahrelang den Sommerspielen die Treue.

Allen voran Hermann Rohrbach, der noch heute, nach über 30 Jahren, den Städtischen Bühnen Lübeck angehört. Zehn Spielzeiten lieh er dem Kaspar, vier dem Kuno seinen Baß. Viele Jahre zählte die bekannte Sopranistin Käthe Möller‑Siepermann, einst Mitglied des Kölner Opernhauses, zum Ensemble. Dem Festspielpublikum ist sie als Agathe (1962—1964) und Ännchen (1956) in bester Erinnerung. Kammersängerin Gladys Kuchta (1954) war eine ihrer Vorgängerinnen. Von der Deutschen Oper Berlin kam 1965 Marina Türke und gastierte ebenfalls als Agathe. Ihre Partnerin (Ännchen) war die Opernsoubrette Erna Maria Duske von der Hamburgischen Staatsoper.

Zu den Max‑Interpreten zählen der Heldentenor Ticho Parly (1962), bekannt als Siegmund in Karajans Salzburger Oster‑Walküre‑Inszenierung, vom Opernhaus Hannover Walter Schneemann (1954—1955), Herbert Schachtschneider (1953) und Hans Dieter Bader (1964/65), der von den Inszenierungen 1967/68 her bekannte Dieter Niedung und Giselbert W. Kassel (1966), der auch in der 100. Vorstellung diese Partie verkörpern wird.

Zum Ensemble der Bayreuther Festspiele gehörten die Bassisten Gerd Nienstedt (Eremit 1956) und Heinz Hagenau (Eremit 1961 und Kuno 1958). Vierfach beschäftigte Mitglieder der Hamburgischen Staatsoper sind der Tenorbuffo Jürgen Förster (Kilian 1954, 1957, 1968) und der Bariton Franz Grundheber (Ottokar seit 1968). Der lyrische Bariton Jörn W. Wilsing, demnächst an das Theater am Gärtnerplatz München engagiert, kam 1966/67 als Ottokar nach Eutin. Gefragter Bassist an deutschen und internationalen Opernhäusern ist Hans Sotin, Hamburgische Staatsoper. Als Eremit wurde er 1962—1964 für die Eutiner Opernbühne gewonnen. Dieter Weller von den Städtischen Bühnen Frankfurt singt wie im vergangenen Jahr auch diesmal diese Partie.

Unmöglich ist es, alle Freischütz‑Solisten hier aufzuzählen.