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Der Freischütz

Carl Maria von Weber

Als echter Romantiker verkündete Weber sein ästhetisches Glaubensbekenntnis, ehe er sich tatsächlich an die praktische Ausführung machte.

Der Freischütz – Carl Maria von Weber

Das romantische Ideal des „künstlerischen Ganzen“ wird in seinen Schriften wiederholt betont, obwohl seine Opernwerke noch in der traditionellen Sphäre liegen. Seine ersten Quellen waren das deutsche Singspiel und die italienische Oper. Seine frühen Werke zeigen deutlich die Vermischung dieser beiden Stilarten, aber auch einen sicheren Instinkt für das Theatralische und für die Vokalmusik im allgemeinen. Rein zeitlich gehen Webers Lieder denen Schuberts voran, obwohl sie schon stark den großen Unterschied zwischen klassischer und romantischer Vokalmusik zeigen.

Bemerkenswert durch ihre schöne Einfachheit, verdienen sie einen ständigen Platz in der Literatur des Liedes, besonders die heiteren mit ihrem echten Humor. Während Beethoven noch die klassische Klaviersonate fortführte, trieb Weber schon in den Gewässern der Romantik. Weber war von der Klangfülle des Klaviers bezaubert und darum willens, die Konturen seiner Melodien und sein Formenmuster zu lockern. Es ist kein Wunder, daß Weber es standhaft bestritt, in Beethovens Schuld zu stehen, denn die beiden hatten wirklich wenig gemeinsam.

Wie glänzend Weber aber auch besonders in seinen Klavierkonzerten und andern Instrumentalwerken sein mag – vor allem anderen bleibt er der Opernkomponist, der sich selbst sein Ziel setzte, nämlich die volkstümliche deutsche Nationaloper zu schaffen, und dieses Ziel erreichte er, indem er wirklich sein Leben für sein Streben zum Opfer gab. Die anfängliche Unsicherheit, die man aus seinen vielen Stilarten spürt, war bald überwunden; sein Lehrer, der …

Informationen

Titel: Der Freischütz
Komponist: Carl Maria von Weber
Libretto: Friedrich Kind
Vorlage: Volkssage „Die Jägerbraut“ (u. a. aus Apels Gespensterbuch)
Gattung: Deutsche romantische Oper
Sprache: Deutsch
Uraufführung: 18. Juni 1821
Ort der Uraufführung: Königliches Schauspielhaus, Berlin

Der Freischütz

In der Ouvertüre zu dieser Oper wird ihr innerer Gehalt, wird das Ringen von Gut und Böse in der menschlichen Seele um die Kräfte der Natur, wird der Sieg des Göttlich‑Edlen im Menschenherzen und Bilde der Natur deutlich und erregend vorgezeichnet. Aus dem Trubel eines Schützenfestes heben sich im 1. Akt zwei Gestalten heraus: der Bauer Kilian, der den Vogel abgeschossen hat, und der Jägerbursche Max, der ihm unterlegen ist und wegen seines Mißgeschicks gehänselt wird. Max ist verzweifelt; denn wenn er auch beim „Probeschuß“ am nächsten Tag versagt, kann er nicht hoffen, die geliebte Försterstochter Agathe zu erringen. Da tritt der Versucher an ihn heran, der finstere Jäger Kaspar, der ihn mit dem derben Trinklied „Hier im ird’schen Jammertal“ aufheitert und schließlich überredet, zur Mitternacht in der Wolfsschlucht Freikugeln mit ihm zu gießen, von denen sechs unfehlbar treffen, die siebente aber vom Bösen selbst gelenkt wird.

Im Försterhaus erwartet Agathe in der friedlichen und doch erregenden Abendstimmung des 2. Aktes den Geliebten. Ihre Verwandte Ännchen sucht sie aufzumuntern. Aber ihre Sorge erhöht sich, als sie von Max erfährt, daß er noch in die Wolfsschlucht muß. Wir erleben dann den höllisch raunenden, geheimnisvoll gewittrigen Zauber der Wolfsschlucht und die beklemmende Zeremonie des Kugelgießens.

Im Vorspiel des dritten Aktes bereitet sich Agathe in Hoffen und Bangen auf die Verlobung vor. Die Brautjungfern singen ihr tanzend das Brautlied. Das jähe Erschrecken darüber, daß in der Schachtel durch Verwechslung eine Totenkrone statt des Brautkranzes sich befindet, löst sich erst, als Agathe einen Ausweg findet: die weißen Rosen, die ihr der fromme Eremit bei ihrem letzten Besuch schenkte, fügen sich wie in besonderer Bestimmung zum Brautkranz.

Dann rauscht mit dem Jägerlied das Fest des Probeschusses auf. Fürst Ottokar bestimmt als Ziel eine weiße Taube. Aber als Max schießt, sinkt Agathe um, und Kaspar ist getroffen. Max gesteht seine Schuld. Vergebens bitten die Versammelten den Fürsten um Nachsicht. Erst als der Eremit für Max spricht und von der Unsitte des Probeschusses abzulassen mahnt, läßt sich der Fürst erweichen, und Max wird nach einem Jahr der Bewährung Agathe heimführen.

Abbe Vogler zeigte ihm den Weg; er lehrte ihn, dieses Stilgemisch mit einem deutschen Geiste zu durchtränken. Vogler begriff die Bedeutung der „Zauberflöte“ und der deutschen Vokalsprache, die sie verkündete, und versuchte hier fortzufahren. Ein anderer gewichtiger Ratgeber Webers war Danzi, ein lebendiges Arsenal Mannheimer Traditionen. Und was in der klassischen Ära die großen Liebhaber der Natur als Betrachter verehrten, das lebte dieser feinempfindende Musiker, indem er selbst in sie einging.

„Freischütz“, „Euryanthe“ und „Oberon“ schwelgen in Natur, wie die Visionen der großen romantischen Dichter. Die von ganzem Herzen erfühlte Musik seines „Freischütz“ vollendete sich in der volkstümlichen Darstellung typischer deutscher Sagen und alter abergläubischer Vorstellungen, in dem Rauschen der Wälder, in den schmetternden Hörnern und knallenden Flintenschüssen der Jäger und in den fröhlichen Bauerntänzen. Die Metastasioschen Gestalten, die noch in fast jeder Oper des späten achtzehnten Jahrhunderts verweilten, wurden hier durch Figuren ersetzt, die ebenso deutsch waren wie die früheren italienisch.

Weber, der Mann und Künstler, war der vollendete Gegensatz zu seinen großen Zeitgenossen Schubert. Statt auf lyrische Versenkung geht er auf Glanz und Wirkung aus; daher seine Vorliebe für die Bühne, die sein wahres Ausdrucksmittel ist und der er in dreierlei Eigenschaften diente: als Komponist, als Dirigent und als Kritiker. Im Prinzip strebte er nach demselben Ziel, das Wagner anfeuerte, aber seine Straße war von der Armada französischer und italienischer Opern belagert und vor allem von dem bösen Geist der deutschen Oper: von dem deutschen Libretto. Nur mit größter Anstrengung aller geistigen Fähigkeiten gelang es ihm, das Libretto für den „Freischütz“ einigermaßen zu ordnen. Aber nicht nur darum war ihm versagt, was Wagner erfüllen sollte; der entscheidende Faktor war die Nähe des Singspiels.

Szenen, welche die Gestalten des Dramas einander gegenüberstellen und durch einen tatsächlichen und sichtbaren Konflikt Spannung erzeugen, stehen bei Weber erst in zweiter Linie; seine Vorliebe gilt den Liedern und Chören, der Charakterisierung von Situationen und Stimmungen. Obwohl er sich der Erfordernisse der Bühne immer bewußt ist, war doch der dramatische Fluß nicht seine starke Seite. Der „Freischütz“ wurde das, was er ist, weil er keinen dramatischen Zusammenhang brauchte; und wenn wir die allgemeine Stimmung und den Gegenstand der Oper vergessen, entdecken wir rasch, daß die Dichtung „der Musik gehorsame Tochter“ ist. Fügen wir dem noch die dramatische Unsicherheit der „Euryanthe“ hinzu, so finden wir, daß Weber nicht Wagners Waffenkamerad, sondern einer seiner Gegenspieler ist. Aber wir können seine Stimmungen nicht vergessen und seine Thematik nicht übergehen.

Der „Freischütz“ wird stets eine der Gipfelleistungen der deutschen Oper bleiben. Und diese stolze Stellung verdankt er seiner echten Verwurzelung in den Sagen und Liedern des deutschen Volkes. Das symphonische Orchester mit seinen Leitmotiven, seinem totalen Glanz und seiner feinen Instrumentalsymbolik (Klarinetten für Agathe, tiefe Flöte für Samuel usw.), die erregenden Dissonanzen der harmonischen Sprache und andere Elemente des „hohen Musikdramas“ können die wesentliche Verwandtschaft dieser Oper mit dem Singspiel nicht aufheben.

Der Freischütz – Ensemble

EUTINER SOMMERSPIELE 1966
OPER IM SCHLOSSPARK

Der Freischütz
Romantische Oper in drei Aufzügen (5 Bildern)
von Carl Maria von Weber
Dichtung von Friedrich Kind

Musikalische Leitung: Erwin Jamrosy
Inszenierung: Kurt Brinck
Bühnenbild: Rudolf Soyka
Chöre: Fritz Arndt

PERSONEN:
Ottokar, böhmischer Fürst – Jörn Wilsing
Kuno, fürstlicher Erbförster – Hermann Rohrbach
Agathe, seine Tochter – Heidi Fredersdorf
Ännchen, eine junge Verwandte – Marita Kral
Kaspar, erster Jägerbursche – Hans Nowack
Max, zweiter Jägerbursche – Wolfgang Gieselbert Kassel
Samiel – Rainer Scholze
Ein Eremit – Cornelis Schell
Kilian, ein reicher Bauer – Wilm Weyel
Brautjungfern – Karin Hoffmeister, Ingrid Welbers

Jäger – Landleute

Ort und Zeit der Handlung:
Böhmen nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges

Technische Leitung: Alwin Stroh
Beleuchtung: Harry Eichmann
Kostüme: Erwin Rath – Masken: Lothar Noack
Inspizient: Werner Hartkopf

Hamburger Symphoniker
Chor der „Eutiner Sommerspiele“

Beginn: 20.00 Uhr
Pause nach dem 2. Bild
Ende: 22.45 Uhr

Carl Maria von Weber

Als echter Romantiker verkündete Weber sein ästhetisches Glaubensbekenntnis, ehe er sich tatsächlich an die praktische Ausführung machte. Das romantische Ideal des „künstlerischen Ganzen" wird in seinen Schriften wiederholt betont, obwohl seine Opernwerke noch in der traditionellen Sphäre liegen. Seine ersten Quellen waren das deutsche Singspiel und die italienische Oper. Seine frühen Werke zeigen deutlich die Vermischung dieser beiden Stilarten, aber auch einen sicheren Instinkt für das Theatralische und für die Vokalmusik im allgemeinen.

Rein zeitlich gehen Webers Lieder denen Schuberts voran, obwohl sie schon stark den großen Unterschied zwischen klassischer und romantischer Vokalmusik zeigen. Bemerkenswert durch ihre schöne Einfachheit, verdienen sie einen ständigen Platz in der Literatur des Liedes, besonders die heiteren mit ihrem echten Humor. Während Beethoven noch die klassische Klaviersonate fortführte, trieb Weber schon in den Gewässern der Romantik. Weber war von der Klangfülle des Klaviers bezaubert und darum willens, die Konturen seiner Melodien und sein Formen­muster zu lockern. Es ist kein Wunder, daß Weber es standhaft bestritt, in Beethovens Schuld zu stehen, denn die beiden hatten wirklich wenig gemeinsam.

Wie glänzend Weber aber auch besonders in seinen Klavierkonzerten und andern Instrumentalwerken sein mag – vor allem anderen bleibt er der Opernkomponist, der sich selbst sein Ziel setzte, nämlich die volkstümliche deutsche Nationaloper zu schaffen, und dieses Ziel erreichte er, indem er wirklich sein Leben für sein Streben zum Opfer gab. Die anfängliche Unsicherheit, die man aus seinen vielen Stilarten spürt, war bald überwunden; sein Lehrer, der …