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Spannende Rahmen-Handlungen

aus: KN-Online von Christian Strehk

Eutiner Festspiele: Intendantin Dominique Caron verabschiedet sich mit einer szenisch sehr gelungenen Produktion von Verdis „Maskenball“.

Die untreue Amelia (links) bittet die Wahrsagerin Ulrica vergeblich um Hilfe und wird mittels Los ihren Mann zum Mörder des Königs machen. Foto: Ostholsteiner Anzeiger

Auch das Dirigat von Hilary Griffiths und das Sängerensemble begeistern das Premierenpublikum durchweg.

Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu: Eingefasst in vorn bedrohlich zertrümmerte oder hinten beständig historisch gestaffelte Goldrahmen schiebt sich eine spätbarocke Hofgesellschaft (Kostüme: Martina Feldmann) ins Bild. Im entsprechenden Pop-up-Bühnenbild von Jörg Brombacher fächert die Regisseurin Dominique Caron, scheidende Intendantin der Eutiner Festspiele, auf dem Grünen Open-Air-Hügel der Rosenstadt sehr präzise, spannungsvoll und psychologisch klar jene fatale Dreiecksgeschichte auf, die Eugène Scribe zu seinem Roman und Giuseppe Verdi zu einer seiner wahrhaftigsten Opern gereizt hat: Ein Maskenball.

In einem kleinen Vorspann zur Urfassung macht Caron hübsch deutlich, dass Schwedens aufgeklärter König Gustav III. als Sohn des einst in Eutin regierenden Lübecker Fürstbischofs mehr Bezug zu uns hat als gedacht. Und dass sein Attentats-Tod auf einem Stockholmer Opernball im Jahr 1792 wohlmöglich durch Musik des dortigen Hofkapellmeisters Abbé Vogler untermalt wurde – dem Kompositionslehrer von Eutins großem Sohn Carl Maria von Weber!

Pop-up-Bilderreigen auf dem Grünen Hügel
Solche „Rahmen-Handlungen“ versperren im aufklappenden Bilderreigen keineswegs die Sicht auf das von der politischen Verschwörung ins private Eifersuchtsdrama Gedrehte. Caron zeichnet einen offenherzigen Herrscher, dessen Liebe zu den Menschen leider auch zur fatalen Leidenschaft für die Frau seines loyalsten Freundes führt. Der griechische Tenor Angelos Samartzis singt und spielt ihn mit einnehmend viriler Raubeinigkeit, lässt aber letzten belkantistischen Glanz, Lockerheit und Präzision vermissen.

Hervorragendes Sängerensemble der Eutiner Festspiele
Das bleiben aber die einzigen und nicht entscheidenden Abstriche im wirklich hervorragenden Sängerensemble. Die dänische Sopranistin Signe Ravn Heiberg steigert sich als Amelia wunderbar in die emotionale Achterbahnfahrt zwischen Ehemann und Geliebtem, Verlangen und Schuldgefühl hinein – mit opulent gleißendem skandinavischem Timbre. Ihr Renato ist sichtlich und hörbar ein nobler Charakter, der in die Geschichte schreibende Blutrache förmlich hineingedrängt wird. Kiels Kammersänger Tomohiro Takada, frei von jedweder brüllender Bariton-Unart, gibt einmal mehr eine Lehrstunde in Verdi-Linienführung. Wenn er sich mit den gräflichen Verschwörern zusammentut (Milcho Borovinov und Philip Björkvist), ist das zumindest stimmlich ein Fest.

Beziehungsgeflecht von Caron genau aufgefächert
Carons Inszenierung zeigt das fatale Beziehungsgeflecht im Stellungsspiel oder mit Bezugspersonen wie dem Kind (Jonas Belau) des auseinander driftenden Paares ganz deutlich. Auch für den Chor (einstudiert von Romely Pfund, mit Vorteilen im Männerstimmenregister) und die gar nicht unwichtig gehaltenen Nebenfiguren gilt das. Der Page Oscar, den die türkische Sopranistin Hale Soner fröhlich frech zwitschern lässt, macht sich durch Leichtfertigkeit mitschuldig. Und die Wahrsagerin Ulrica bleibt keine obskure Märchenhexe, sondern gleitet als Schicksalsgöttin bedrohlich durchs gerahmte Geschehen. Das liegt auch an der enormen Bühnenpräsenz von Milana Butaeva, deren Mezzosopran in Höhe und Mittellage freier klingt, aber in der abgründigen Tiefe der dramatischen Alt-Partie dann eben mit Mut zur Hässlichkeit beeindruckt.

Kammerphilharmonie Lübeck in guter Form
Zum erstklassigen Gelingen der sehenswerten Aufführung (mit ihren stimmungsvollen Ein- und Durchblicken in die schaurig-schöne Natur, aber ohne projezierte deutsche Übertitel) trägt sehr stark auch das mal kantig dramatische, mal genießerisch schwelgende Orchester bei. Hilary Griffiths, zurückgekehrt ans Pult langjähriger Erfolge, steuert die Kammerphilharmonie Lübeck auswendig und mit viel Verve durch Verdis Seelenschauer. Das Premierenpublikum zeigt sich restlos begeistert – und wird sich den Festspielabend in der Erinnerung einrahmen.

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