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Das sind die schönsten Kostüme der Festspiele

aus: LN-Online von Ulrike Benthien

Die Nähmaschinen in der Schneiderei der Eutiner Festspiele rattern unermüdlich. Ein versiertes Team passt den Darstellern ihre Roben an. Mehr als 150 Kostüme sind in der Oper „Ein Maskenball“ zu sehen.

Die untreue Amelia (links) bittet die Wahrsagerin Ulrica vergeblich um Hilfe und wird mittels Los ihren Mann zum Mörder des Königs machen. Foto: Ostholsteiner Anzeiger

Eutin
Kürzer, länger, weiter, enger. Hier noch ein Kragen dran und da Rüschen, schnell noch Knöpfe angenäht – die Schneiderinnen und Näherinnen bei den Eutiner Festspielen sind in diesen Tagen durchgehend stark gefordert. Mehr als 150 Kostüme werden für die Aufführungen der Verdi-Oper „Ein Maskenball“ benötigt, die am Freitag, 12. Juli, Premiere feiert. Sie müssen so sitzen, dass sich die Sänger auf der Seebühne darin wohlfühlen und gut bewegen können.

„Ich leihe Maßanfertigungen für andere Darsteller aus, die wir zu Maßanfertigungen für unsere Darsteller machen“, sagt Martina Feldmann, die für die Kostüme der Produktionen „Kiss me, Kate“ und „Ein Maskenball“ verantwortlich ist. Bereits im vergangenen Jahr hat sie für die Festspiele die Kostüme entworfen und die Kostümabteilung organisiert, erstmals war sie 2012 in Eutin beim „Liebestrank“ und „Die Blume von Hawaii“ dabei.

Die meisten Kostüme sind Leihgaben vom Theater Kiel
Die Festspiele haben zwar einen stattlichen Fundus, der einen Großteil des Dachbodens der Opernscheune füllt, aber er nimmt sich bescheiden gegen den anderer Theaterhäuser aus. Mit dem Theater Kiel hat Eutin seit Jahren eine Kooperation. Und so fährt Martina Feldmann „mit Bildern im Kopf und auf Papier“ im Frühjahr nach Kiel und versucht, dort zu finden, was sie für die Ausstattung der Solisten und Chorsänger, Statisten und Tänzer braucht.

Zusammen mit den Verträgen der Künstler werden auch deren Maße nach Eutin geschickt. Martina Feldmann benötigt Oberweite, Taillen- und Hüftweite, Ärmellänge, Halsweite, Kopfumfang und Schuhgröße. „Schuhe werden allerdings nicht von Theater zu Theater ausgeliehen“, erklärt sie. Auf dem Boden der Opernscheune gibt es daher diverse Regale mit Damen- und Herrenschuhen: elegant, sportlich und rustikal.

Schneiderei fertigt nur wenige Kostüme komplett selbst an
Die Gewänder, Blusen, Röcke, Roben, Mäntel und Anzüge, die Martina Feldmann mit nach Eutin nimmt, müssen in dem Zustand zurückgebracht werden, in dem sie ausgeliehen wurden. Das heißt, abgetrennte Kragen oder Manschetten werden wieder angenäht, ergänzte Volants oder Rüschen wieder abgenommen. Wird ein Kleid für eine Sängerin enger oder weiter gemacht, muss das jedoch nicht wieder „zurückgedreht“ werden – „die entsprechende Produktion, in der es eine bestimmte Person getragen hat, ist ja längst beendet“, erklärt die Kostümbildnerin und -leiterin.

Ergänzt wird die Leihgarderobe für das Ensemble und alle anderen Mitwirkenden durch Stücke oder Teile aus dem eigenen Fundus. „Wir haben zwar sehr alte, aber hochwertige Kostüme, die in Hochzeiten der Kulturförderung entstanden sind. Unter Intendant Siegfried Grote wurden ganze Kostümsätze aufgekauft. Davon profitieren die Festspiele immer noch“, erzählt Martina Feldmann.

Selten werden Einzelteile in der Schneiderei angefertigt, für diese Spielzeit beispielsweise das Showkostüm der „Hattie“ (Gudrun Schade) und das Hochzeitskleid von Katharina (Patricia Hodell) in „Kiss me, Kate“. Für den „Maskenball“ hat die Schneiderei nichts Eigenes angefertigt – „das ist zeitlich nicht möglich gewesen“, sagt Martina Feldmann.

In ihrer Abteilung weiß sie ein versiertes Team um sich. „Tatjana Kleimann ist die Leiterin, sie kann wirklich alles“, lobt Feldmann. Und von Kira Neller, selbst aktive Tänzerin, lerne sie noch dazu: „Sie weiß alles über Stretch“, sagt Martina Feldmann. Die Frauen – dazu gehören noch Dörte Holst, Helena Belz, Angelika Wallbrecht und Susanne Klüver, haben nicht alle eine Ausbildung als Schneiderin, „aber alle können sehr gut nähen“, sagt Martina Feldmann. Susanne Klüver aus Eutin hat sich erst in diesem Jahr beworben. „Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig, als ich die Zusage bekam“, sagt sie. „Es ist ein tolles Team und macht Riesenspaß.“

Ihr Traumberuf – schon seit Kindertagen
Das empfindet auch Martina Feldmann so. „Kostümbildnerin ist mein Traumberuf. Ich wollte das machen, seitdem ich 14 bin.“ Das hat sie zielstrebig umgesetzt: Nach dem Abitur folgte eine Schneiderlehre, danach das Studium „Bühnenkostüm“ in Köln. In Bamberg war sie lange Kostümbildnerin (zuständig für Entwurf) und -leiterin (organisiert die ganze Abteilung). Seit 1988 ist sie als freie Kostümbildnerin tätig. Martina Feldmann lebt in Neustadt. Die Liebe habe sie in den Norden verschlagen, sagt sie lächelnd. Der Kontakt zu den Festspielen sei über Ursula Wandaress und deren Mann Klaus Zimmermann entstanden. Beide waren viele Jahre für Kostüm- und Bühnenbild sowie Licht verantwortlich.
Der Trubel in der Opernscheune nimmt in den letzten Tagen vor der Premiere beständig zu. Martina Feldmann eilt von einer Garderobe in die nächste, beantwortet im Vorübergehen Fragen. Auf den letzten Drücker ist sie vor der Kostümhauptprobe in die Stadt gehastet. Sopranistin Hale Soner (sie singt den „Oskar“) benötigt noch ein Paar Schuhe, „Damenschuhe, die etwas männlich aussehen“.

Mit Glück ist Martina Feldmann fündig geworden. Die Schuhe passen, sind bequem und finden Zustimmung bei Hale Soner und ihrer Ankleiderin Eveline Flessau. Die ehemalige Bekleidungsdirectrice hat sich vor Jahren mit dem Festspielvirus infiziert. „Es ist ein Geschenk, mit den Künstlern zu arbeiten“, sagt sie, „in der Garderobe geschieht eine Verwandlung. Mit dem Kostüm werden sie jemand anderes, sie nehmen eine ganz andere Haltung an. Sie gehen als Star hinaus auf die Bühne.“

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