Ticket-Hotline:  +49 4521 8001-0
  Öffnungszeiten:  Mo - Fr | 9:00 - 12:00 Uhr

Bei der Premiere stimmt alles

aus: Flensburger Tageblatt

Mit dem Cole-Porter-Musical „Kiss me, Kate“ landen die Eutiner Festspiele einen Volltreffer – bei der Premiere stimmt alles.

Eutin Leichtfüßige Unterhaltung ist ein schweres Geschäft – insbesondere, wenn das Publikum ein bunt gemischtes ist. Wie man es richtig macht, zeigt in Eutin das Regie-Team um Harry Rudolz. Mit der Inszenierung des Cole-Porter-Musicals „Kiss me, Kate“ sind auf der Bühne am See unter der musikalischen Leitung von Romely Pfund die Festspiele 2019 gestartet – und haben mit einem fetten Paket bester Unterhaltungskunst bei der Gunst des Premierenpublikums ins Schwarze getroffen.

Die Freude an der Arbeit ist ihnen anzusehen: Auf der Bühne zünden Darsteller und Chor ein wahres Feuerwerk. „Kiss me, Kate“ ist eine Abfolge von Evergreens („Premierenfieber“, „Wunderbar“, „Viel zu heiß“), die in der Ganovennummer „Schlag nach bei Shakespeare“ ihren Höhepunkt findet. Musikalisch ist das Stück genau die Bank, auf die Intendantin Dominique Caron gesetzt hat, und das Publikum ist von Anfang an gefangen von dem Porter-Groove, der im Dreieck Orchestergraben-Bühne-Zuschauerraum zu leben beginnt.

Dass da heiter mitgewippt, mitgeschnippst und -gesummt wird, war absehbar, dafür ist das Publikum gekommen. Was sich aber schon nach den ersten Tanzschritten zeigt, ist das Wunder, das ein mittels neuer Grundbühne begradigter Boden bereiten kann: Tanzpassagen, wie sie in Eutin so mitreißend kaum einmal zu sehen gewesen sind. Auch sonst trifft die Inszenierung den Nerv des bunt gemischten Festspiel-Publikums. Rudolz scheut bei der Geschichte (Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“) in der Geschichte um einen finanziell bedrängten Theatermann, seine Exfrau und andere Verwicklungen vor Kalauern und teils deftiger Komik nicht zurück. Aber was anderswo leicht nach hinten losgehen kann, passt hier ins Bild und erntet im Zuschauerrund die erwartete Heiterkeit. Das Bühnenpersonal geht den Weg spielfreudig und stimmpotent mit. Patricia Hodell tobt als wütende Lilli beziehungsweise garstige Katharina, Peter Bording bietet ihr als bedrängter Theatermann Fred (Petruchino) Paroli, Lina Gerlitz mischt als blonde Versuchung Lois (Bianca) das Geschehen und Daniel Johnson als Bill (Lucentio) auf. Aber so viel Herzblut in diesen Hauptpartien stecken mag, ist es doch das Ganovenduo, bestehend aus Andreas Zaron und Thomas Schiran, das die Herzen im Sturm erobert. So soll es sein.

Ein Star der Eutiner Inszenierung ist auch das Bühnenbild von Jörg Brombacher, das das Publikum mittels beweglicher Wandelemente wechselweise vor und hinter die Bühne mitnimmt, das Spiel im Spiel förmlich umrahmt, das Künstlerleben auf Gastspielreisen im wahrsten Wortsinn in Kisten und Koffer packt, die bei Bedarf aufgeklappt werden und alles beinhalten, was fahrendes Volk so braucht. Allein das zu sehen, lohnte den Besuch des Stücks.

Nach etwas mehr als drei von einer Pause unterbrochenen Stunden verabschiedet ein fröhlich aufgeladenes Publikum die Künstler in eine laue Sommernacht – auch das Wetter hat bei dieser Premiere eine tragende Rolle gespielt.

Zurück

Aktuelle Nachrichten
Sponsoren und Förderer