Ticket-Hotline:  +49 4521 8001-0
  Opening hours:  Mon - Fri | 9:00 - 12:00 o'clock

Guter Start in die Festspiel-Saison

aus: shz-Online – von: Constanze Emde

EUTIN Neue Saison, neue Verantwortliche, neue Bühne – die Vorbereitungen der Festspiele für die 69. Spielzeit laufen auf Hochtouren. Über 9400 Karten, gut 1500 mehr als im vergangenen Jahr, sind für das Musical „Kiss me, Kate“ und die Verdi-Oper „Ein Maskenball“ bislang verkauft, freuten sich die Festspielverantwortlichen. „Beide liegen gleichauf. Das ist ein Zeichen, dass die Mischung gewollt und die Saat des vergangenen Jahres aufgegangen ist“, sagte Festspiele-Geschäftsführer Falk Herzog, der sich ebenso freute, dass er Hardy Rudolz als künstlerischen Leiter für die nächsten zwei Jahre gewinnen konnte. Nach „Die Blume von Hawaii“ 2012 und „My fair Lady“ im vergangenen Jahr bringt er nun „Kiss me, Kate“ auf die Festspiel-Bühne.

Eigentlich habe er beruflich aufhören wollen, nach einem Leben als europäischer Musical-Star auf den großen Bühnen, sagte Rudolz. Doch als er gemerkt habe, wie schön es bei den Eutiner Festspielen sei, und wie gut die Mischung des Teams, habe er sich das gern anders überlegt. „Ich habe ein Leben lang aus dem Koffer gelebt. Hier bin ich zu Hause, und ich freue mich, dabei zu sein“, sagte Rudolz, der im Herzogtum Lauenburg lebt. Neben seiner Begeisterung für das aktuelle Stück „Kiss Me, Kate“, das in deutscher Sprache aufgeführt wird, habe er auch noch weitere Ideen in petto, die Festspiele auch während der trüben Jahreszeit präsenter zu gestalten – durch Konzerte, kleine Shows oder auch Inszenierungen für Kinder und Jugendliche.

In diesem Jahr zeigen die Festspiele für das jüngste Publikum das Singspiel „Abu Hassan“ von Carl Maria von Weber in Zusammenarbeit mit der Lübecker Musikhochschule sowie gecasteten Kinderstars aus Eutin. Die musikalische Leitung hat Romely Pfund, Jennifer Toelstede führt Regie. „Das Torhaus bietet uns mit rund 200 Plätzen eine Chance für Experimente. Wir sehen ein Kinderprogramm nicht als einmalige Veranstaltung, sondern wollen das auch in Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas der Region ausbauen“, sagte Herzog. Vorab seien Investition für Bestuhlung, Beleuchtung und Technik notwendig, die sich aber mit Blick auf Qualität und weitere Projekte lohnten.

Intendantin Dominique Caron freut sich in ihrer letzten Spielzeit auf die herausfordernde Inszenierung des Maskenballs von Giuseppe Verdi. „Neben Nabucco, dem Troubadour und Aida haben wir dann in der Zeit die Crème de la Crème der Verdi-Opern gezeigt“, sagte Caron. Wie beim Musical auch reiche Gesang allein nicht. „Es besteht eine große Erwartung an das Ensemble in puncto tänzerischer und darstellerischer Fähigkeiten und an den vierstimmigen Herrenchor, der nur wenig vom Orchester begleitet wird“, sagte Caron. Sie freue sich, dass ihr in dieser Saison Hilary Griffiths als Dirigent zur Seite stehe.

Die ungesehene Meisterleistung Die Probenzeit für Musical und Oper bei den Festspielen sind mit knapp dreieinhalb Wochen nur halb so lang wie in anderen Theatern. Dies verlange den Künstlern viel ab, sagen die beiden Verantwortlichen Caron und Rudolz. „Was aber oft nicht gesehen wird, ist die Meisterleistung der exzellenten Schneiderinnen und vielen Menschen hinter der Kulisse, die alle zum Gelingen auf der Bühne beitragen“, betonte Caron. Aus einer anfänglichen, mit Bleistift auf Papier skizzierten Kostümidee müsse etwas Greifbares aus Stoff werden, das entweder geliehen oder gänzlich neu vor Ort kreiert werde. Allein für das Musical träten neben den Solisten etwa 19 Tänzer auf, hinzu komme das Ensemble für den Maskenball sowie der Chor. Alle müssten eingekleidet werden – alles binnen der kurzen Probenzeit.

Kritik als Chance, etwas zu verändern Neben zahlreichen positiven und zufriedenen Rückmeldung der vergangenen Saison nehmen die Festspiele auch die kritischen Anmerkungen ernst. Zwar habe sich in der Opernscheune schon optisch einiges verändert, die Toilettensituation werde aber hier und da noch negativ bemerkt. „Wir schaffen nicht alles gleichzeitig zu erneuern, werden aber in dieser Saison keine Gebühr mehr in den Sanitäranlagen erheben als eine Reaktion auf die Rückmeldungen“, sagte Herzog. Andere Kritik sei nach der einzigen abgebrochenen Veranstaltung am vergangenen August gekommen. Die Feuerwehr hatte die Besucher aufgrund eines Gewitters mit starkem Regen in Abstimmung mit den Festspielen nach Hause geschickt. Ein Maßnahmenkatalog für solche Fälle sei daraufhin nochmals angepasst und überarbeitet worden.

Investitionen in neue Bühne und Zukunft Neben der Anschaffung der Technik für die Torhäuser sowie weiteren Neuerungen im Gastronomiebereich investieren die Eutiner Festspiele in dieser Saison in ein neues Grundgerüst für die Bühne. „Bislang war die Bühne eine dem Hügel angepasste Schräge, auf der man aber nicht tanzen kann“, sagte Herzog. Eine ebene Fläche sei am derzeitigen Spielort nicht möglich, wohl aber eine stufenförmige Anordnung verschiedener Ebenen. „Wir haben uns für ein Modulsystem aus Süddeutschland entschieden, dass auch universell an anderen Orten als Bühne nutzbar ist“, sagte Herzog. Gerade mit Blick auf die notwendige Erneuerung der Tribüne bestehe dann die Flexibilität, an anderen Orten zu spielen. Die Investitionen bezifferte Herzog auf etwa 60 000 Euro für das Grundgerüst. Die alten Konstruktionen seien teilweise 20 Jahre und älter, außerdem mit sieben oder acht Metern Länge sehr raumfordernd in Sachen Lagerung. Die neuen Modulstücke seien deutlich praktischer und kleiner, sparten Auf-, Ab- und Umbauzeiten. „Und wir müssen flexibler werden, wenn wir über mehr Vorstellungen und mehr Stücke nachdenken wollen“, forderte Herzog. Apropos flexibel: Die Festspiele hätten aktuell kein Finanzierungsproblem, aber „wir wollen professioneller werden, und das können wir nur, wenn wir verlässlich langfristig planen können“, sagte Herzog mit Blick auf die Fördergeber. Ziel dieser Saison sei mit Premierenstart von „Kiss me, Kate“ am 28. Juni die Spielzeit 2020 vorzustellen und zu bewerben. „Die Stadt Eutin, die Wirtschaftvereinigung sowie der Tourismus müssen den Wert für sich erkennen und nutzen, den die Festspiele haben.“

Veränderungen bei den Festspielen Arend Knoop, bislang Mitgesellschafter der Eutiner Festspiele GmbH neben Joachim Scheele und Geschäftsführer Falk Herzog, hat zum Ende des Geschäftsjahres 2018 seine Anteile an die Eutiner Festspiele GmbH veräußert. Seinen Rückzug aus der wirtschaftlichen Mitverantwortung der Festspiele hatte Knoop bereits vor längerer Zeit angedeutet. „Er macht das aus gesundheitlichen Gründen und weil er gern mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte“, sagte Falk Herzog und fügte hinzu: „Die Festspiele haben Arend Knoop viel zu verdanken.“ Mit seiner unkonventionellen, anpackenden Art und seiner großen Einsatzbereitschaft habe er viele Probleme gelöst. Die Verantwortung werde künftig auf mehrere Schultern verteilt. Im neuen Jahr gebe es einen neuen Beleuchtungsmeister und einen neuen Bühnenausstatter, die beide erfahren im Festspiel-Bereich seien. Neuer Bühnenbildner sei Jörg Brombacher.

Go back

Latest news
Sponsors and Supporters