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Vorgeschmack auf „West Side Story“

aus: OHA-Online von Rosemarie Schriek

Aus 150 Bewerbern werden 34 Sänger, Tänzer und Schauspieler ausgewählt: In der Opernscheune wurde drei Tage lang vorgesungen, -getanzt und -gesprochen.

Der Musikalische Leiter Christoph Bönecker ist einer der Juroren für das Auswahlverfahren
Der Musikalische Leiter Christoph Bönecker ist einer der Juroren für das Auswahlverfahren

EUTIN Höchste Konzentration ist gefordert, wenn die Juroren aus 150 Bewerbern 34 Sänger, Tänzer und Schauspieler auswählen, die im kommenden Jahr auf der Seebühne in Eutin die „West Side Story“ von Leonard Bernstein aufführen werden. 18 von ihnen singen auf jeden Fall.

Drei Tage lang zeigen junge Talente, die aus 500 Interessenten eingeladen wurden, ihr Können im mit neuer Beleuchtung und neuem Boden ausgestatteten Probenraum der Opernscheune. Regisseur Tobias Materna, Choreograph Vanni Viscusi und der musikalische Leiter Christoph Bönecker bilden die Jury und auch die Regieassistentin Corina von Wedel-Gerlach ist ununterbrochen im Dienst, wenn von 10 bis mindestens 19 Uhr vorgesungen, -getanzt und -gesprochen wird.

„Wir haben die drei Juroren bewusst im gleichen Hotel untergebracht, damit sie sich abends und vielleicht auch beim Frühstück noch austauschen können“, erzählt Produktionsleiterin Anna-Luise Hoffmann. Sie gab die Ausschreibung unter anderem an die Zentrale Künstlervermittlung, den Musical Stage Pool, und bewältigt den Berg von Arbeit im Hintergrund mit immer guter Laune. Auch über die Festspiel-Homepage und Facebook erfahren Interessenten von der Ausschreibung.

Was von den jungen Künstlern erwartet wird, ist alles andere als leicht. Zunächst gibt es eine Gruppe, die ausschließlich tanzt, zu Corona-Zeiten unter Einhaltung des gebührenden Abstands. Gute Tänzer kommen in die Runde zum Vorsingen und -sprechen, denn im Musical muss man alles beherrschen.
Die zweite Gruppe singt die Hauptrollen Maria und Toni. Sie müssen nicht vortanzen, aber die häufig schwer zu singenden Passagen hervorragend beherrschen und außerdem in den Stimmen zueinander passen.

Für die Vorbereitung haben sie Material von der West Side Story zugeschickt bekommen, bringen aber auch eigenes mit. Alle, die in diesen beiden Gruppen ihr Können zeigen, werden von dem US-amerikanischen Pianisten James Mironchik am Flügel mit unermüdlicher Geduld begleitet; wo früher Notenbücher geblättert wurden, steht jetzt das Tablet.
In der dritten Gruppe sind ausschließlich Bewerber für die Sprechrollen. In drei Monologen zu je fünf Minuten müssen sie beweisen, dass sie gute Schauspieler sind.

Mancher Sänger muss ebenso gut sprechen können wie er singt. Beides ist bei der Akustik im neuen Konzertsaal eine echte Herausforderung, denn die Platten, die den Hall wegnehmen sollen, kommen erst im August. Lediglich zum Koloratursingen gibt es einen kleinen Extraraum mit einer besseren Akustik.

Die Reihenfolge, in der sich die Kandidaten für die Rollen präsentieren, ist zufällig. Das Lampenfieber ist bei einigen deutlich spürbar. Andere strahlen so große Souveränität aus, als stünde nicht ein Engagement für das nächste Jahr auf dem Spiel, sondern als machte es einfach Spaß, seine Professionalität zu zeigen.

Auch Stimmvolumen und Art und Weise der Interpretation sind so unterschiedlich, dass zwar für jede Rolle eine gute Besetzung gefunden werden wird, die Auswahl aber viel Fingerspitzengefühl benötigt. Anders als in vielen Casting-Shows, die aus dem Fernsehen bekannt sind, begegnet man hier den Kandidaten mit großem Respekt.
Wohlwollend und genau arbeiten die Juroren mit den jungen Menschen heraus, wo und wie sie am besten eingesetzt werden können. Dabei sind es ungefähr 50 Künstler, die sie am Tag erleben und beurteilen. Obwohl es keine Requisiten oder Kostüme, geschweige denn Mitspieler gibt, sind einzelne der internationalen Bühnenprofis so in ihrer Rolle und singen so berührend, dass die wenigen Zuhörer Gänsehaut bekommen.

Überhaupt ist das Niveau der Darbietungen hoch. Entsprechend schwierig ist es für das Jurorentrio, eine Auswahl zu treffen. Wie also kommt es zur Entscheidung?
Zum Beispiel muss das Zusammenspiel von Gesang und Körperausdruck stimmen. Dann gibt es natürlich eine Vorstellung von der Inszenierung, die zwar noch veränderbar ist, die aber einen gewissen Einfluss auf die Auswahl hat.

Die Jury, heißt es, ergänze sich gut. So wächst nicht nur die Spannung, sondern auch die Vorfreude auf den nächsten Festivalsommer.

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