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Un ballo in maschera

aus: Das Opernglas von G. Helbig

Mit einer vorbildlichen und beeindruckenden Inszenierung von Giuseppe Verdis »Maskenball« verabschiedete sich Dominique Caron als Intendantin von den Eutiner Festspielen.

Selbst das Wetter spiele mit beim "Maskenball" (mit Angelos Samartizis als Riccardo) am Eutiner See

Sie zeichnet das glücklose Beziehungsgeflecht zwischen dem Paar Renate und Amelia und ihrem Geliebten Riccardo mit Klarheit und psychologischem Feingefühl. Es ist schwierig, die Spannung in dieser bis auf die letzte Szene handlungsarmen Oper durchzuhalten. Das gelang hervorragend, zumal im Zusammenspiel mit der Kammerphilharmonie Lübeck unter der Leitung von Hilary Griffiths alle musikalischen Facetten und Farben kristallin unterstützend herausgearbeitet wurden. Caron positioniert die Sängerdarsteller geschickt, hält sie in Bewegung, vermeidet konsequent Leerlauf. Stilisierte übergroße Bilderrahmen bedecken den Bühnenboden, symbolisieren den desolaten Zustand der gesellschaftlichen Verhältnisse (Bühne: Jörg Brombacher). Im Bühnenhintergrund sind wechselnde Elemente zu sehen: Tarotkarten, verwaschene Herrscherporträts. Untergangsstimmung zieht auf. 1 m zweiten Akt öffnet sich die Bühne nach hinten und bezieht Bäume und Sträucher der Eutiner Freilichtbühne mit ein. Dort werden in Nebelschwaden verhüllt Gehängte von Totengräbern verbuddelt. Die Kostüme der Hofgesellschaft (Martina Feldmann) sind durchgehend im Rokoko-Stil gehalten.

Ausnahmslos alle Sängerdarsteller boten feinste Gesangsqualität. Signe Ravn Heiberg interpretierte die Rolle der Amelia mit wohlklingendem Sopran ohne Fehl und Tadel und Überzeugender Bühnenpräsenz. Berührend ihre Arie im dritten Akt "Morro, ma prima grazia", als sie Renate anfleht, noch einmal ihr Kind sehen zu dürfen. Aber er will nicht sie, sondern ihren Verführer töten. In den wenigen Crescendo-Passagen wurde ihre Stimmkontrolle im Spitzenbereich kurzzeitig unsicher, was aber der Gesamtleistung der schwierigen Partie keinerlei Abbruch tat. Angelos Samartzis (Riccardo) erfreute ebenso. Sein souverän geführter Tenor erschien nur manchmal zögerlich, vielleicht bedingt durch die Freiluftsituation, die durchaus nicht immer einfach zu bewältigen ist und sich von Theatersaalumgebung deutlich unterscheidet. Tomohiro Takadas baritonale Strahlkraft Textverständlichkeit und Verdi gerechte Linienführung in der Rolle des Renato waren betörend. Schon ganz am Anfang der Aufführung geht die Mezzosopranistin Milana Butaeva als Schicksalsgöttin Ulrica im Hintergrund von links nach rechts Über die Bühne, "Wahrheit" fordernd, düster abgründig in tiefer Stimmlage, voluminös in den höheren Bereichen. Beschwörend ihre Arie "Re dell'abisso affrettati". Die Sopranistin Hale Soner setzte als Page Oscar Akzente von Leichtigkeit und Spielfreude. Auch alle weiteren Nebenrollen waren auf höchstem Niveau besetzt. Die Stimmen wurden nicht elektronisch verstärkt und konnten sich in der wunderbaren natürlichen Akustik der Umgebung herrlich kraftvoll entfalten. Der Chor (Romely Pfund) bot gleichfalls Spitzenqualität. Diese Produktion gehört zweifellos zu den besten, die auf dem Festspielgelände am Eutiner See zur Aufführung kamen. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen. Das Wetter spielte mit: fast windstill und bis zum Schluss angenehm frisch. Ein unvergesslicher Abend.

G.Helbig

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