Wie schade: Die Eutiner Festspiele müssen aufgrund der Corona-Krise alle Vorstellungen der Saison 2020 absagen.  Mehr erfahren

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Stadt profitiert vielfach von Festspielen

aus: SHZ-Online von Constanze Emde

Kulturbetrieb und Wirtschaftsfaktor: Geschäftsführer Falk Herzog bittet Politik um Unterstützung für Tribünen-Bau.

Vorstellung der jüngsten Actori-Studie: Philipp Leist, Falk Herzog, Carsten Behnk (v.r.n.l.), Foto Constanze Emde
Vorstellung der jüngsten Actori-Studie: Philipp Leist, Falk Herzog, Carsten Behnk (v.r.n.l.), Foto Constanze Emde

EUTIN | Was haben wir eigentlich als Stadt von den Festspielen? Eine Frage, die immer wieder in Zusammenhang mit der Diskussion um die Erhöhung von städtischen Fördermitteln gestellt wurde. Die Eutiner Festspiele haben viele Beinamen: kultureller Leuchtturm, Aushängeschild der Region, Sommerbühne der Holsteinischen Schweiz. Dass sie für Eutin und die Region nicht „nur“ als ein Kulturbetrieb, sondern auch als wichtiger Wirtschaftsfaktor im Netzwerk gesehen werden sollten, machten Festspiele-Geschäftsführer Falk Herzog und Philipp Leist von der Actori-Unternehmensberatung am Dienstagnachmittag vor Kommunalpolitikern aller Fraktionen und Vertretern der Verwaltung mittels Studie deutlich.

Stadt bekommt achtmal mehr von den Festpielen als Betrieb und Besuchermagnet als sie gibt.
Festspiele-Geschäftsführer Falk Herzog hatte, um das daten- und faktenbasiert beantworten zu können, die Münchner Unternehmensberatung Actori mit der Untersuchung dieser Frage beauftragt. Das Ergebnis ist eindeutig: „Eutin profitiert selbst stärker von den Festspielen, als die Festspiele von den städtischen Zuschüssen“, sagte Philipp Leist von Actori. „Jeder Euro der Stadt erhält Eutin durch die Besucher und Festspiele als Betrieb und Arbeitgeber das 8,5-fache als Wirtschaftsstandort zurück“, rechnete Leist vor. Würden die indirekten Effekte einkalkuliert, können sogar vom 15,6 fachen ausgegangen werden, so Leist.

Geringe Förderung im Vergleich mit anderen Kulturbetrieben.
Der Zuschuss der Stadt Eutin mache sechs Prozent des Gesamtbudgets der Festspiele aus. 2019 förderte Eutin „ihren“ kulturellen Leuchtturm im Schlossgarten mit 110.000 Euro. 85 Prozent des Gesamtbudgets erwirtschaften die Eutiner Festspiele selbst über den Ticketverkauf. Der Anteil der öffentlichen Zuschüsse lag im Durchschnitt bei rund 15 Prozent und damit deutlich unter dem vergleichbarer Kulturbetriebe, die im Schnitt bei einer 25-prozentigen Förderung liegen. Positiv ist: Seitdem Falk Herzog Geschäftsführer der Eutiner Festspiele ist, konnte er den Beitrag der öffentlichen Hand (Land, Kreis, Stadt) von 180.000 auf 250.000 Euro steigern. Ausreichend mit Blick auf die Vorhaben und Möglichkeiten sei das aber noch nicht, dies wurde bereits mit der ersten Actori-Studie deutlich. Herzog veranschaulichte: „Die Stadt Eutin fördert jedes verkaufte Ticket mit 3,55 Euro; das Theater Lübeck bekommt von Stadt und Land eine Karte mit 111 Euro gefördert.“ Zwar sei das ein Ganzjahresbetrieb, der binnen zwölf Monaten 180.000 Besucher habe verfolge als Theater auch ein anderes Konzept – aber es zeige deutlich, welch große Lücke klaffe.

Festspiele haben Potenzial für 30.000 Besucher und mehr. Behnk sieht auch Kreis in der Pflicht.
„Dass die Festspiele Potenzial haben, mehr als 30.000 Besucher binnen zwei Monaten Spielzeit nach Eutin zu holen, hat sich in diesem Jahr ohne Jahrhundertsommer gezeigt. Die Festspiele liegen knapp unter dem Kartenverkauf von 2018“, sagte Leist. Mit Blick auf die Struktur – zehn Prozent der Besucher kommen aus Eutin, jeweils 45 Prozent fahren bis zu 50 Kilometer und weiter, um Vorstellungen in Eutin zu besuchen, machte Bürgermeister Carsten Behnk deutlich, dass er in dem Verhältnis auch klar die Zuständigkeiten der Fördermittelgeber sehe. Aktuell macht der städtische Anteil 44 Prozent der gesamten Fördermittel aus – das Land gab 2019 105.000 Euro, der Kreis 35.000 Euro. „Dies könne beim Blick auf die Haushaltssituation des Kreises noch nicht das Ende sein“, sagte Behnk.

Festspiele investieren, wo sie können – bei Tribüne der Stadt benötigen sie aber deren Unterstützung.
„Wir haben ein dickes Pflichtenbuch von Actori bekommen, das wir Stück für Stück abarbeiten. Aber bei der Tribüne, dem städtischen Bauwerk, kommen wir ohne sie nicht weiter. Jetzt geht es um die Willenserklärung der Stadt“, sagte Herzog. Die Tribüne sei als Spielstätte das Herzstück der Festspiele, die Entscheidung, was dort entstehe, müsse die Politik treffen.

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