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Schlag zu bei Shakespeare

aus: KN-Online von Konrad Bockemühl

Der Rahmen war perfekt bei der Premiere. Dafür steht nicht nur der überdimensionale goldene Bühnenbilderrahmen auf Eutins grünem Hügel. Auch wenn, nein: gerade weil hier im Abendidyll die Fetzen flogen, gab es am happy End viel Beifall für Hardy Rudolz’ Inszenierung von Cole Porters „Kiss Me, Kate“.


Eutin
Warum tut er sich das auch an, der Theatermann Fred Graham: Ausgerechnet seine zickige Ex-Frau Lilli Vanessi soll neben ihm die Hauptrolle in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ übernehmen. Und die sieht oft Rot (aus). Da hat der Macho, auf seine und auf Shakespeares Art, auf und hinter der Bühne, allerhand zu zähmen. Denn schließlich spielen Gefühle mit, bis die Aufforderung „Kiss me Kate“ mit zärtlicher Nähe statt abwehrenden Boxhandschuhen erwidert wird.

Eine goldgerahmte Bühne auf der Bühne
Die goldgerahmte Bühne auf der Bühne steht für das Stück im Stück, Regisseur Hardy Rudolz und Bühnenbilder Jörg Brombacher haben das auf dem aufgebesserten Naturpodest sehr geschickt gelöst. Umgebaut wird ohne Brüche. Revueshoweinlagen des sportlichen Musical-Ensembles werten die Übergänge zum prallen Spektakel auf. Die Choreografie (Vanni Viscusi) gibt dem Broadway-Klassiker ordentlich Tempo und eine gesunde Portion Sexappeal. Eine tolle Tanztruppe agiert da in ganz unterschiedlichen Rollen (und Kostümen: Martina Feldmann), oft grell, mal akrobatisch, immer bestens aufeinander abgestimmt.

Unter Androhung von Waffengewalt am Pult
Vor der Bühne, doch mittendrin im Geschehen, muss Dirigentin Romely Pfund sogar unter Androhung von Waffengewalt zugegebenermaßen nicht gar zu finsterer, sondern eher schriller Ganoven den Überblick behalten. Später auch noch mit Anzüglichkeiten konfrontiert, wahrt sie Contenance: Mit temperamentvoller Ausstrahlung und präziser Zeichengebung motiviert sie die musikalisch breit aufgestellte Kammerphilharmonie Lübeck KaPhil! zu facettenreichem Klang - jazzig, soulig, in Walzertakt und Bigbandsound.

Viel Drive auf der Freilichtbühne
Die Musik sorgt für den nötigen Drive auf der Bühne, wo, Rudolz‘ Musical-Routine sei Dank, in insgesamt klassischer Lesart ein erlesenes Ensemble agiert. Allen voran natürlich Lilli alias Katharina und Fred alias Petruchio: Patricia Hodell und Peter Bording treiben das Mit- und Gegeneinander mit gespielter und gelebter Leidenschaft auf die Spitze: Hiebe und Liebe eben. Stimmlich glänzen sie in allen Lagen, sind über Höhen und Tiefen hinweg flexibel aufgestellt. Das gilt nicht minder für das zweite Paar des Abends Lois/Bianca und Bill/Lucentio, Lina Gerlitz und Daniel Johnson. Als komödiantisches Duo gewinnen die beiden Ganoven Andreas Zaron und Thomas Schirano mit Holsteiner Slang und klassisch abgeleitetem Wortwitz Sympathien. Gudrun Schade als Hattie, Martin Sommerlatte als Harry/Harrison, Maximilian Zumstein als Gremio, Arvid Johansson als Hortensio und Alexander Ruttig als Ralph leisten weitere starke Beiträge zu den munteren Irrungen und Wirrungen auf der Bühne und machen mit spürbarer Spielfreude die ganze Geschichte zu einer aktionsreich runden Sache.

„Premierenfieber“ nur im besten Sinne
Ja, Ohrwürmer wie „Schlag nach bei Shakespeare“ werden in diesem Rahmen zeitweise eher als Schlag zu ... gelebt - von „Premierenfieber“ wiederum ist nur im besten Sinne etwas zu spüren. Trotz ganz schön harter Bandagen macht dieses kontrastreich quirlige Musical durchweg gute Laune. Mit seinen wohldosierten Ohrwürmern und dem latent mitreißenden Schlagabtausch, geschickt angereichert durch aktuelle und regionale Pointen, hat Cole Portes Klassiker Potenzial, auf Eutins Freilichtbühne ein Sommerhit zu werden - man hat es bei den Festspielen wohl geahnt und „Kiss me, Kate“ neben Verdis „Maskenball“ bis zum 24. August noch 15-mal angesetzt.

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