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Nach turbulenten Zeiten ein Ziel

Intendantin Dominique Caron: Abschied in Eutin

aus: KN-Online von Konrad Bockemühl

Nach acht Jahren als Intendantin der Eutiner Festspiele verabschiedet sich Dominique Caron zum Saisonende mit einem großen (ausverkauften) Galaabend „Viva la musica“ auf dem grünen Hügel im Schlosspark. Ein Gespräch über bewegte Zeiten, gute Perspektiven – und das Wetter.

Abschied in gutem Rahmen: Dominique Caron, hier mit einem aktuellen Bühnenmodell, hat als Intendantin der Eutiner Festspiele acht bewegte, aber künstlerisch erfolgreiche Jahre hinter sich.
Abschied in gutem Rahmen: Dominique Caron, hier mit einem aktuellen Bühnenmodell, hat als Intendantin der Eutiner Festspiele acht bewegte, aber künstlerisch erfolgreiche Jahre hinter sich.

KN: Frau Caron, sind Sie in acht Eutiner Spielzeiten wetterfest geworden?

Dominique Caron: Ich bin wetterfest geworden schon in meiner ersten Spielzeit 2012. Da ging es wirklich rund. Der „Liebestrank“ war damals sehr verwässert. Und ich bin auch schon mal spontan auf die Bühne gegangen und habe dem Nabucco einen Regenmantel übergeworfen. Diese erste Spielzeit hat mir schon gezeigt, wie wir mit dem Wetter umzugehen haben. Ich habe auch gemerkt, dass das Publikum zwar nicht gerne im Regen sitzt, aber doch wetterfest ist.

Wie oft wurden Vorstellungen auf Eutins Grünem Hügel abgebrochen?

Unterbrechungen gab es einige Male, abgebrochen haben wir zum ersten Mal letzte Spielzeit zur Pause bei einer Vorstellung von „My Fair Lady“ – das war das erste und einzige Mal, und ich hoffe, es bleibt auch in Zukunft dabei.

Fällt Ihnen der Abschied nach acht Spielzeiten in Eutin schwer?

Das Wort „schwer“ trifft vielleicht nicht zu. Aber man hat doch viele Emotionen eingebracht. Wer die Festspiele kennt und ihre Geschichte ... Ich habe sehr viel an Kraft, Glauben, ja: und Liebe investiert.

Es waren bewegte Zeiten, vor allem, was die wirtschaftliche Situation der Festspiele und deren Organisationsform angeht. Wie haben Sie die erlebt?

Im Nachhinein stellt sich ja immer alles ein bisschen rosiger dar. Es gab viele, viele Helfer. Alle haben immer das Gleiche gewollt: Den Festspielen eine Struktur, ein solides Fundament zu geben und damit ein Grundvertrauen zu schaffen. Das wollten auch alle Geschäftsführer. Wenn das Vertrauen des Publikums erstmal erschüttert ist, braucht es viel Zeit, es zurückzugewinnen. Natürlich haben wir jetzt mit unseren Gesellschaftern und dem Geschäftsführer Falk Herzog ein Riesenglück. Aber wir hatten auch in der Vergangenheit immer wieder Glück – etwa, als der Hamburger Geschäftsmann Eckart Ulbrich die Opernscheune gekauft und uns ein Zuhause gegeben hat. Wir sind zusammengewachsen, auch wenn turbulente Zeiten bis hin zur drohenden Insolvenz durchzustehen waren, und haben letztendlich ein Ziel erreicht. Als würde man einen Ozean durchsegeln und endlich sieht man Land.

Wie ist Ihre künstlerische Bilanz der acht vergangenen Jahre?

Ich habe in acht Jahren zwölf Inszenierungen gemacht. Man gibt viel, man bekommt aber auch viel zurück. Ich hatte in den Ausstattern so gute Wegbegleiter: Bühnenbildner, Lichtdesigner, Kostümbildnerinnen... Natürlich auch auf der musikalische Seite: Jeder der Dirigenten hat etwas Besonderes, ganz Eigenes mitgebracht. Meine wichtigsten Produktionen? Eigentlich fast alle ... auch die Operetten. Sicher sticht „Aida“ hervor, „Der Troubadour“, meine Begegnung mit der „Zauberflöte“, die „Traviata“, der aktuelle „Maskenball“... Ich freue mich immer, wenn die Zuschauer zufrieden sind. Sie erwarten nicht zuletzt durch das breite Medienangebot viel – und Besonderes. Und wollen gleichzeitig etwas erleben, etwas genießen. Das ist eine gute Kombination, für die ich mich immer engagiert habe. Nun freue ich mich auf die Gala, mit manchem Weggefährten, auch Sängern, die viel dazu beigetragen haben, dass wir hier Erfolge feiern konnten, und denen ich sehr viel verdanke.

Sind die Eutiner Festspiele auf gutem Weg? Wo raten Sie zur Kontinuität, wo zur Veränderung?

Die Festspiele sind auf jeden Fall auf einem guten Weg. Ich denke, der Schwerpunkt verlagert sich etwas. Mittlerweile ist eine ganzjährige Intendanz nicht mehr notwendig. Mit dem Musical neben der Oper spricht man unterschiedliche Zuschauertypen an. Auch die Idee eines kleineren Kinderstückes, dazu Galas, Konzerte in Kombination mit den großen Produktionen sind gut. Die Festspiele werden sich breiter aufstellen. Und schon heute hat man wieder das Gefühl, die Leute, die kommen, sind hier glücklich. Vielleicht ist bei der Oper auch mal mehr Mut gefragt, neue Interpretationen. Aber wir haben nun mal nicht die Möglichkeit, die Leute rätseln zu lassen. In einer normalen Theaterspielzeit an einem festen Haus ist so etwas aufzufangen. Das können wir hier nicht.

Wie sind Ihre weiteren Pläne?

Ein bisschen Abstand tut nun gut. Ich war noch nie so lange an einem Ort beschäftigt, acht Jahre sind ein Meilenstein. Im Moment kann ich ein bisschen Zeit für mich gut gebrauchen und die Freiheit genießen. Später werde ich gerne weiter, wohl frei, Regie führen.

... auch bei den Festspielen möglicherweise?

Wir werden sehen. Aber sicher nicht sofort... Ich gehe jetzt in freundschaftlicher Verbundenheit. Es gefällt mir, wie Falk Herzog sehr konzentriert und zielstrebig den neuen Weg der Festspiele geht und sehr viel Zeit investiert. Er hat ein klares Konzept. Das Grundvertrauen der Zuschauer ist wieder da. Und ich werde erst einmal in Eutin und eine gute Botschafterin für die Festspiele bleiben.

Wird in Carl Maria von Webers Geburtsstadt Eutin eigentlich noch genug Weber gespielt?

Nächste Spielzeit ist da schon etwas geplant im Kontext mit Weber. Früher gab es ja immer den „Freischütz“. Es wird sicher auch bald wieder ein „Freischütz“ kommen. Ich bin ein großer Fan seiner Opern „Euryante“ und „Oberon“. Aber: Wer kommt dahin? Die Festspiele sind darauf angewiesen, die Fördermittel sind nicht sehr hoch. Und den Rest muss man sich verdienen. Dafür muss man gründlich reflektieren, was man ins Programm nimmt.

Interview: Konrad Bockemühl

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