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„La Traviata“ – ein Sturm der Begeisterung

aus: Ostholsteiner Anzeiger – von: Karin Lubowski

Auf der Bühne hat eine grandiose Hale Soner in der Titelrolle die Herzen der Besucher im Nu im Griff

Die sind sowieso vom ersten Ton an verzaubert von einem betörenden Werk – und erleben eine Aufführung, der bis zu ihrem bittersüßen Ende die sonst so genussdämmende Wetterplane über dem Orchestergraben erspart werden kann. Opern-Herz, was willst du mehr?

Die Dame erscheint in transparentem Schwarz: Dass die umschwärmte Kurtisane Violetta sterbenskrank ist, weiß außer ihrer Vertrauten Annina (Eva Schneidereit) niemand. Sie ist der strahlende Mittelpunkt der schillernden Pariser Halbwelt, in die Verdis Librettist Francesco Maria Piave die Geschichte ansiedelte. Und sie ist die große Liebe des naiven Romantikers Alfredo (Carlos Moreno Pelizari), der zwar aus gutem Hause kommt, finanziell aber vom Vater (Manos Kia) abhängig ist. Der wiederum wird in die Geschicke seines Sohnes eingreifen - und es bitter bereuen. Jeder im Eutiner Zuschauerhalbrund weiß: Diese Affäre, für die „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas D. J. die Vorlage lieferte, hat für Violette und Alfredo kein glückliches Ende. Aber jeder spürt schon beim ersten der vier Bilder den Genuss, den das Drama dem Publikum bereiten wird.

Es wird viel geboten an diesem zweieinhalb Stunden währenden Opernabend (30 Minuten Pause nach dem 2. Akt): Farbenfrohe Kostüme, ein Bühnenbild, das sich überzeugend von der Bibliothek, deren Grundgerüst die Wände beim Musical „My Fair Lady“ bilden, überzeugend in einen Pariser Salon zu verwandeln ist, Bewegung auf der Bühne, wohl dosiert würzt Caron die Tragödie mit Humor, Chefdirigent Leo Siberski führt seine Kammerphilharmonie Lübeck mit sichtlicher Freude durch die Oper. Für das Wetter kann keiner etwas, aber es ist perfekt. Und dann noch der Gesang! Es ist vor allem die Nacht der Hale Soner, die den Part der Violetta nicht nur betörend sicher singt, die es nicht nur versteht, sowohl verführendes Selbstbewusstsein als auch zweifelnde und verzweifelte Schwäche in ihren Sopran zu weben versteht, sondern ihre Rolle auch darstellerisch beherrscht.  Auf den ersten Blick (und die ersten Töne) scheint Carlos Moreno Pelizari als ihr junger Geliebter Alfredo neben dieser Frau blass. Doch in dieser fein austarierten „La Taviata“ hat die Blässe Sinn: Alfredo ist ein junger, form- und beeinflussbarer Kerl, der sich von seinem Vater  auf die Familienspur zurückholen lässt. Vorerst jedenfalls.

Ganz unaufdringlich erzählen Violettas Kostüme (Martina  Feldmann) den Weg der Protagonistin nach. „Die vom Weg abgekommene“ lautet die Übersetzung von „La Traviata“. Was im vornehm verruchten schwarzen Kleid beginnt, nimmt in einem erotischen roten die Fahrt in die Lebensgier auf. Gestorben wird am Ende in unschuldigem Weiß.

Der Tod ist nicht das Ende dieser Eutiner Geschichte: Das Publikum ruft, klatscht, stampft sich die Begeisterung über das Erlebte heraus. Etliche der Gäste, das verraten die Dialoge, haben in diesem Juli  auch „My Fair Lady“ schon erlebt. „Das ist Eutin!“, schwebt über der Menge.

Weitere Aufführungen: Mi., 25. Juli, 19 Uhr; Mi., 1. August, 18 Uhr; Sa., 4. August, 20 Uhr; So., 12. August, 16 Uhr; Sa., 25. August, 19 Uhr.

KARIN LUBOWSKI

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