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„Kiss me, Kate“ zündet beim Publikum

aus: OHA-Online von Karin Lubowski

Mit dem Cole-Porter-Musical landen die Eutiner Festspiele einen Treffer – bei der Premiere stimmt alles, selbst das Wetter.

Eutin Eutin – „Ich liebe Happyends!“ Begeisterung sprudelt aus einer jungen Besucherin. Der Funke hat gezündet. Und nicht nur bei ihr. Die Eutiner Festspiele 2019 sind mit dem Cole-Porter-Musical „Kiss me, Kate“ in den Sommer am See gestartet und haben eine Punktlandung gemacht. Aufgeräumt verlassen die Premierengäste das Zuschauerrund.

Es hat alles gestimmt an diesem Abend: die Wahl des Stücks, die Inszenierung von Hardy Rudolz und ihre Umsetzung, die einfühlsame musikalische Leitung (Romely Pfund), das verblüffende Bühnenbild (Jörg Brombacher), die Dosierung der Komik, auch das Wetter. Und man hat gesehen, wie überaus sinnvoll die Investition der 60.000 Euro in eine neue Grundbühne war, denn auch die Tanzpassagen waren auf dem nun berechenbareren Boden mitreißend wie kaum einmal zuvor.

Vor dem ersten Ton der neuen Saison steht die Begrüßung: Mit „Kiss me, Kate“ habe man ein Zeichen für den Unterhaltungsgedanken bei den Festspielen setzen wollen, sagt Dominique Caron. Zusammen mit dem Schirmherrn, Ministerpräsident Daniel Günther, blinzelt die Intendantin von der Bühne gegen die Sonne ins Publikum, es sind ihre letzten Festspiele am See. Günther dankt ihr für acht Jahre Arbeit. „Das war eine wunderbare Zeit“, sagt er. Abschied liegt in der Luft, aber noch deutlicher die Vorfreude auf die kommenden drei Stunden.

Musical und Rudolz, das hat sich schon im vergangenen Jahr mit „My Fair Lady“ gezeigt, sind eine Bank. Und das Porter-Stück genießt Narrenfreiheit; es ist das Spiel um den gleichermaßen finanziell wie emotional angezählten Theatermann Fred, der seinen Laden mit der musikalischen Version des Shakespeare-Stücks „Der Widerspenstigen Zähmung“ retten will und dafür in die Rolle des Petruchio schlüpft, während die widerspenstige Katharina von seiner ebenfalls widerspenstigen Ex-Frau Lilli gespielt wird.

Das Konstrukt, 1948 uraufgeführt, ist ein raffiniertes. Shakespeares Komödie um die kratzbürstige Katharina, die ihres machismo-lastigen Gehalts wegen vielfach als verbrannt gilt, wurde von den Musical-Librettisten Bella und Samuel Spewack weichgespült und mit Cole Porters Kompositionen immerbegrünt. In Eutin nimmt Rudolz den Ball im körperbetonten Spiel der Geschlechter augenzwinkernd auf. Zwar ist die Zähmungs-Geschichte nicht zu ändern, aber die Damen dürfen auf der Bühne mit empor gereckter Faust in roten Boxhandschuhen zeigen, dass die Hälfte des Himmels zu verteidigen ist. Ein gutes Gespür zeigt das Eutiner Team in Sachen Humor: Es kalauert kräftig, aber es passt, und das einsetzende Gelächter hat etwas Generationeneinendes.

Auf der Bühne sprudelt es. In den Hauptrollen zeigen Patricia Hodell als Lilli beziehungweise Katharina, Peter Bording als Fred (Petruchio), Lina Gerlitz als Lois (Bianca) und Daniel Johnson als Bill (Lucentio) so viel Spielwitz, dass am Ende der Applaus für eine Gudrun Schade, die als Hattie eine herrliche Schaufel Dreck in den Mezzosopran zu schmeißen versteht, zu kurz kommt.

Einen Extra-Applaus hätte auch das Bühnenbild verdient. Jörg Brombacher unterstreicht das Spiel im Spiel. Dank leicht beweglicher Wandelemente erlebt man das Geschehen mal vor, mal hinter der Bühne, die Garderobensituation ist blitzschnell mit beweglichen hölzernen Containern hergestellt, die, aufgeklappt, das Theater-Innenleben freigeben. Das Spiel im Spiel umrahmen goldglänzende, hintereinander positionierte Rahmen, die zugleich darauf verweisen, dass es noch eine dritte Erlebnisebene gibt, nämlich die reale auf der Bühne am See.

Einen begeisterten Applaus sicher hat das Ganovenduo, bestehend aus Andreas Zaron und Thomas Schirano, mit ihrem breiten Hamburger Zungenschlag, der urkomischen Kostümierung und dem Ohrwurm aller Porter-Ohrwürmer „Schlag nach bei Shakespare“.

Apropos Ohrwürmer: Die gibt’s bekanntlich am laufenden Band. „Premierenfieber“, „Wunderbar“, „Viel zu heiß“ – Romely Pfund, die am Orchestergraben vor den „KaPhiL!“-Musikern steht, ist sichtlich mit ebenso großer Freude bei der Sache, wie sie sie aus dem Publikum mit immer neuem Szenenapplaus zurückbekommt.

Die Inszenierung vereint Geschmäcker und Generationen, kredenzt werden Augen- und Ohrenschmaus. Und das Happyend. Bravo!

Karin Lubowski

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