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Intendantin Dominique Caron verabschiedet sich mit „großartigen Stücken“

aus: SHZ-Online von Constanze Emde

Den Gala-Abend auf der Freilichtbühne widmet die scheidende künstlerische Leiterin Meisterwerken, die sie besonders mag.

Eutins Festspiel-Intendantin Dominique Caron feiert heute ihren Abschied nach acht Jahren auf dem grünen Hügel. Foto: Constanze Emde
Eutins Festspiel-Intendantin Dominique Caron feiert heute ihren Abschied nach acht Jahren auf dem grünen Hügel. Foto: Constanze Emde

EUTIN. „Au revoir, Dominique!“ Im Programm des heutigen Gala-Abends schwingt der Abschied von der langjährigen Festspiel-Intendantin Dominique Caron (61) mit. Ihre Trennung von der Opernscheune feiert die gebürtige Französin mit einem selbstarrangierten Programm grandioser Stücke im Kreis von Vertrauten, Freunden und Wegbegleitern. Im Gespräch mit dem Ostholsteiner Anzeiger blickt die 61-Jährige auf ihre bewegte Zeit bei den Eutiner Festspielen zurück.

shz: Ihre letzte Oper auf der Eutiner Freilichtbühne liegt hinter Ihnen, der besondere Gala-Abend vor Ihnen. Wie geht es Ihnen mit dem Gedanken an den Abschied?

Dominique Caron: Die Anspannung ebbt nach der letzten Vorstellung ab, und ein letztes Mal in dieser Saison erwacht die Opernscheune für den Gala-Abend zum Leben. Ich bin noch nicht sehr emotional, das war ich die vergangenen Monate immer mal wieder. Ich freue mich auf den Abend mit wirklich großartigen Stücken, und ich werde ihn mit wunderbaren Sängern, Chormitgliedern und Musikern verbringen, die mich mögen und meine Arbeit schätzen. Auch im Publikum werden viele bekannte Gesichter und Wegbegleiter sein. Ein schönes Gefühl...

San Francisco, Berlin, Düsseldorf, Mannheim, Dortmund... die Liste Ihrer beruflichen Wirkungsstätten ist vor Eutin sehr lang. Welche sind für Sie rückblickend am wichtigsten gewesen?

Das ist so leicht nicht zu beantworten. Jede hatte neue Facetten, und jede neue Herausforderung wollte ich annehmen, meistern und dabei etwas lernen. Alles – von der Regie, über die Disposition und schließlich die Eigenverantwortung insgesamt – hat mich weiter- und am Ende hierher nach Eutin gebracht. Dafür bin ich sehr dankbar.

War ihre Mutter Opernsängerin oder woher kam ihre Begeisterung für die klassische Musik und schließlich das erste Praktikum in der Oper in San Francisco?

Wir hatten einen Tag pro Woche frei während meiner Schulzeit in Frankreich. Den habe ich vor dem großen Schallplattenspieler in einem alten Sessel zuhause im Wohnzimmer verbracht und alles rauf und runter gehört, was das Regal an Opern und Klassik hergab. Meine Mutter war sehr musikalisch, spielte gut Klavier. Mein Großvater war einmal für kurze Zeit Opernsänger. Ich hatte als Kind viel mit Musik zu tun. Musik ist etwas sehr Soziales, man kann durch Musik weiterkommen, berührt werden, an Themen arbeiten, sich öffnen und lernen, Emotionen zuzulassen. Ich hatte sehr viel Glück, dass ich schnell mit großartigen Menschen zusammenarbeiten durfte, und ich hatte bei meinem Praktikum an der Oper in San Francisco einen großartigen Opernintendanten, dessen Tipps für eine erfolgreiche Inszenierung ich immer noch wie einen Katalog in mir trage. Das ist ein unheimliches Geschenk.

Was gehört zu einer erfolgreichen Inszenierung vor und hinter der Bühne?

Eine tolle Mannschaft, ein tolles Ensemble mit Künstlern, die bereit sind, alles zu geben, und Menschen, die sich mit Herz und Kopf engagieren – vor und hinter der Bühne. Ein erfolgreicher Abend ist ein Gesamtpaket, bestehend aus der großen ganzen Präsentation, von der Begrüßung der Gäste über die Bewirtung, die Aufführung und Verabschiedung des Publikums. Da hat die Vision von Falk Herzog, deren Umsetzung und sein Glaube an die Festspiele viel zum Positiven bewegt und gezeigt, welch kulturelle Institution die Festspiele in der Region und im Land sind.

Sie selbst sind bekannt für Ihre hohen Ansprüche an sich. Ändern Sie diese im Laufe der Proben, oder gelingt es am Ende den anderen, diese zu erfüllen?

Ich investiere 120 Prozent, ich muss mein Bestes geben, sonst könnte ich nicht mit mir leben. Und ich weiß, wie viel Künstler von sich verlangen und dass „ein netter Abend“ auch für sie nicht ausreicht. Das habe ich sehr früh begriffen, beim ersten Kontakt mit Künstlern in San Francisco. Das hat mich damals angesprochen. Ich habe hohe Ansprüche, aber die habe ich auch an mich.

Was sind die schönsten Momente für Sie bei den Eutiner Festspielen gewesen?

Die besonderen Momente – es gab sehr viele schöne – waren für mich die Wunder, die passierten. Das erste Wunder war die Wirtschaftsvereinigung, die damals mit Herrn Hoth an mich und meine Fähigkeiten glaubte und dabei geblieben ist. Das zweite Wunder war Eckart Ulbrich, der zum Ende der Spielzeit 2012 die Opernscheune gekauft hat, weil er wollte, dass die Festspiele ein Zuhause haben. Die Frage der Finanzierung und Insolvenz stand bis dato immer wieder im Raum. Der Verlust dieses Mäzens und Freundes Ende 2013 war ein schwerer Schlag für mich. Und dann gab es das nächste Wunder mit Falk Herzog vor nunmehr zwei Jahren, der mit all seinem Handeln und Tun als Geschäftsführer zeigt, dass die Festspiele eine langfristige Größe und Leuchtturm in der Region sein wollen und werden.

Was wünschen Sie den Festspielen zum Abschied?

Beständigkeit und qualitativ gute Produktionen, damit das Publikum glücklich nach Hause geht, denn dann kommt es auch wieder. Die Festspiele sollen im Land den Ruf weiter festigen, eine wichtige kulturelle Einrichtung zu sein. Die Voraussetzungen dafür sind bestens.

Und werden Sie Eutin erhalten bleiben?

Erst einmal ja. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, freiberuflich tätig zu sein. Aber als erstes möchte ich innehalten nach dem Abschied. Die ganzen vergangenen Jahre waren extrem, eines folgte auf das andere, aber jetzt werde ich mir die Zeit einfach nehmen.

Interview: Constanze Emde

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