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Ich bin ein Eutiner

aus: Orpheus von Susanne Dressler

70 Jahre Eutiner Festspiele zu Ehren des großen Sohnes der Stadt

Eutin ist stolz auf Carl Maria von Weber. Der Komponist hat hier nach seiner Geburt nicht lange gelebt, aber nachhaltige Spuren hinterlassen. Die Eutiner Festspiele halten jeden Sommer das musikalische Vermächtnis hoch – nicht anders 2020, im 70. Jahr ihres Bestehens.

»Letzten Abend gab der bekannte Komponist Carl Maria von Weber, königlich-sächsischer Musikdirektor ein Konzert in unserer Stadt, in dessen Verlauf er verschiedene schöne Kompositionen präsentierte.«
Der berühmte Sohn Eutins kehrte am 13. September 1820 für ein Konzert zu seinen Ehren zurück. Details des Programms sind nicht überliefert, aber in einem Zeitungsbericht wird über den Auftritt geschwärmt. »Der Schlusschor aus seiner magnificenten Kantate ›Kampf und Sieg‹ wurde herausragend aufgeführt unter der persönlichen Leitung des Komponisten.« Stolz schrieb Carl Maria von Weber seiner Gattin, dass er 59 Taler, 17 Groschen und 6 Pfennige für diesen Abend verdient hatte.

Außerdem klagte Weber über Zahnschmerzen. Diese dürften aber die vergnüglichen Tage, die er gemeinsam mit zwei Brüdern in seiner Geburtsstadt verbrachte, nicht allzu stark getrübt haben. Man schwelgte in Erinnerungen, obwohl diese mehr als dürftig gewesen sein müssen, denn Weber wurde zwar 1786 in Eutin geboren, lebte hier aber nicht mehr als 200 Tage. Familie Weber brach bald nach Carls Geburt zu neuen Ufern auf. Eutin hat aber auch mehr als 200 Jahre später sein berühmtes Kind nicht vergessen.

Eine eigene Bühne für den »Freischütz«

Bereits anlässlich des 125. Todestags von Carl Maria von Weber plante man im Jahr 1951 in Eutin eine Gedenkwoche mit Konzerten und Vorträgen. Wie aber sollte man dem Werk des Komponisten gerecht werden ohne die Aufführung seiner berühmtesten Oper? In der Stadt reifte eine Idee: Am Ufer des malerischen Großen Eutiner Sees mitten im Schloßgarten plante man eine Openair-Bühne zu errichten, um der märchenhaften Nationaloper »Der Freischütz« eine adäquate Aufführungsheimat zu bieten.
Umgeben von den dichten Wäldern und glitzernden Seen der Holsteiner Schweiz wurde die Aufführung der Oper unter enthusiastischer Beteiligung der einheimischen Bevölkerung zu einem Hit: Der Startschuss für die Eutiner Festspiele war gegeben!

70 Spielzeiten haben die Festspiele in diesem Jahr nun hinter sich, per Satzung sind sie zur Pflege des Werkes des Komponisten Carl Maria von Weber verpflichtet. Ein Auftrag, den die Festspiele bis heute jedes Jahr mit Begeisterung erfüllen. Mehr als vierzig Neuinszenierungen des »Freischütz« waren auf der größten Festivalbühne Norddeutschlands seitdem zu sehen, bis sich nach und nach deren Inhalt trotz spektakulärem Getöse in der Wolfsschlucht abnutze.

Heute steht in jeder Saison eine andere Oper oder ein Musical auf dem Programm, den »Freischütz« gibt es nur noch alle fünf Jahre – das nächste Mal bereits 2021. Anlässlich des Jubiläums entschied sich die Intendanz für ein Festkonzert und nimmt Bezug auf den Besuch des großen Sohnes in seiner Geburtsstadt vor 200 Jahren. Mit dem langjährigen Eutiner Chefdirigenten Hilary Griffiths betraute man eine verdiente Persönlichkeit mit der neuen Position der »künstlerischen Leitung Klassik« und scheute auch sonst weder Kosten noch Mühen, um dem Galakonzert am 20. Juni zum gewünschten Glanz zu verhelfen: Opernstar Peter Seiffert und Klarinettist Robert Walzel sowie die Kammerphilharmonie Lübeck sorgen für musikalische Sternstunden. Auf dem Programm: Natürlich die Kantate »Kampf und Sieg« und ein Querschnitt aus populären Werken des Komponisten. Keine Frage, hier darf auch der »Freischütz« nicht fehlen. Peter Seiffert wird sich auch ohne Kulissen eindrucksvollmusikalisch in die Wolfsschlucht begeben und sich mit dem Teufel verbünden – inklusive passende malerische Naturlandschaft. Am 5. September enden die Jubiläums-Festspiele dann mit dem Galaabend »Vivat la Musica. In den Fußstapfen Webers«. Das Publikum begibt sich auf eine Reise durch Webers Musikwelt und reist musikalisch durch halb Europa.

Ein Festival dreht auf

Jahrzehntelang verantwortete ein Verein die Eutiner Festspiele, man produzierte in Glanzzeiten jährlich drei Opern und Operetten und begeisterte mehr als 40.000 Besucher. Querelen und künstlerische Umbrüche schwächten den erfolgreichen Spielbetrieb bis zur Insolvenz. Mit der Gründung einer gemeinnützigen GmbH auf Initiative der Wirtschaftsvereinigung der Stadt geht es seit 2018 stetig bergauf.

15 Prozent ihres Budgets erhalten die Festspiele aus öffentlichen Kassen, der Rest stammt aus dem Ticketverkauf und von Sponsorengeldern: Mit 30.000 Zuschauern jährlich befindet man sich eindeutig auf Erfolgskurs. Mit dem Namen Carl Maria Weber wird das Festival auch zukünftig eng verbunden sein: Eutin ist und bleibt stolz auf seinen berühmten Komponisten. Der Hamburger Künstler Joachim Nawarath arbeitet gerade an einem Plakatentwurf. Darauf der Kopf Webers in Warhol-Manier: »Ich bin ein Eutiner.«

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