Wie schade: Die Eutiner Festspiele müssen aufgrund der Corona-Krise alle Vorstellungen der Saison 2020 absagen.  Mehr erfahren

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Ein Gala-Abschied für Dominique Caron

aus: SHZ-Online von ros

Mit dem Programm „Viva la Musica!“ setzten die Eutiner Festspiele einen umjubelten Schlusspunkt für ihre 69. Saison.

Dominique Caron sagt Tschüs – Abschiedsworte gab es unter anderem von Landtagspräsidenten Klaus Schlie. Quelle: shz
Dominique Caron sagt Tschüss – Abschiedsworte gab es unter anderem von Landtagspräsidenten Klaus Schlie. Quelle: shz

Ausverkauftes Haus. Die Tribüne bis auf den letzten Platz besetzt. 2000 Menschen waren gekommen, und wenn es mehr Plätze gegeben hätte, wären es wohl noch mehr geworden, die den Gala-Abend auf der Seebühne und die Verabschiedung von Dominique Caron am Samstag in Eutin erleben wollten. Nach acht Spielzeiten verlässt die Intendantin ihren Ort des Wirkens. Den Gala-Abend, durch den der ehemalige NDR-Musikredakteur Rainer Wulff launig und mit allerlei Anspielungen führte, gestaltete sie zum letzten Mal; dieses Mal mit Arien aus nicht so häufig gespielten Opern, die sie sich gewünscht hätte, aufzuführen. So konnten sich die Zuhörer wenigstens zum Teil vorstellen, was sie möglicherweise versäumt haben könnten.

Unter der Leitung von Hilary Griffiths, der als musikalischer Leiter für zwei weitere Spielzeiten gewonnen wurde, und mit der Kammerphilharmonie Lübeck wurde der Abend mit Richard Wagners Vorspiel zur Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ eröffnet, nach Dominique Caron als symbolische Öffnung des Weges für künstlerische Freiheit und Fantasie. Es folgten Arien unterschiedlicher Komponisten, im zweiten Teil mit besonderem Augenmerk auf slawische und französische Musikliteratur.

Die Arien wurden von ausgesuchten Solisten dargeboten, einige von ihnen schon bekannt aus früheren Aufführungen, in denen sie unter Caron gesungen hatten. Besonders hervorzuheben ist hier der Bariton Tomohiro Takada, der sich im Laufe des Abends stetig steigerte.

Stimmungsvoll war das gemeinsame Singen des Eutiner Festspielchors zusammen mit der Eutiner Kantorei bei dem Gefangenenchor aus der Oper Nabucco. Mit Kerzenlichtern in den Händen formierten sie sich feierlich im Halbrund entlang der oberen Tribüne. Der zum Schluss ohne Orchesterbegleitung lang gehaltene Ton berührte im Herannahen der Nacht. Die Idee des Zusammenschlusses der Chöre hatte es schon 2011 gegeben, als Caron zum ersten Mal Nabucco in Eutin inszenierte. So schließt sich der Kreis.

Noch bevor Carons Abschied in kleinerem Kreis mit geladenen Gästen in der Opernscheune gefeiert wurde, sprachen Dr. Joachim Scheele, Gesellschafter der Neuen Eutiner Festspiele, und Landtagspräsident Klaus Schlie Abschiedsworte, in denen sie Caron dankten. Beide sprachen davon, dass sie ein Verbindungsnetz und die Verbindung zu den Herzen der Zuschauer ebenso geschaffen habe und eine Strahlkraft besitze, die die Festspiele zu dem gemacht hätten, was sie seien. Caron ihrerseits dankte Hilary Griffiths, dem Orchester, den Chören und den Solisten, die zum Teil von Anfang an dabei waren.

Beim Empfang dankte Bürgermeister Carsten Behnk, der zu einer Reihe von Rednern gehörte, für einen traumhaften Abend, an dem alles gepasst habe. Operngeschäftsführer Falk Herzog erwähnte die Kontinuität in der Qualität, die die Festspiele zu einem Garant für hochwertige Produktionen mache und betonte Carons Gabe, tolle Stimmen zu finden. Er ergänzte, dass trotz gewisser Unstimmigkeiten und des häufig nicht einfachen Drumherums immer gute Lösungen gefunden worden seien.

Betont wurde ebenso, dass Caron in einer schwierigen Zeit der Festspiele die Intendanz übernommen habe, was großen Mut erfordert habe. Caron dankte allen, die an den Festspielen mitgewirkt haben, wobei sie besonders auch die Akteure hinter den Kulissen erwähnt wie die Schneiderei unter Leitung von Martina Feldmann und das Beleuchtungsteam. Caron wies eindringlich darauf hin, dass die Festspiele ein schützenswertes Kulturgut seien und appellierte: „Vergessen Sie’s nicht!“

Geschäftsführer Falk Herzog äußerte sich hochzufrieden über die diesjährige Festspiel-Bilanz: „Wir sind froh, dass die Gala sowie unsere Inszenierungen der Oper ‚Ein Maskenball‘, des Musicals ‚Kiss me, Kate‘ und des Weber-Projekts ‚Abu Hassan‘ so großen Anklang bei Publikum und Kritik gefunden haben.“ Insgesamt haben 31.000 zahlende Gäste in diesem Sommer die Aufführungen besucht – das ist nach dem Rekordbesuch im Ausnahmesommer 2018 das zweitbeste Ergebnis für die Eutiner Festspiele seit 2008. „Diese tolle Resonanz spornt uns an, auch in Zukunft dem Ruf der Eutiner Festspiele als mitreißendes Musiktheater im Norden gerecht zu werden“, so Herzog.

Dass die Veranstaltungen auf der Seebühne überregional attraktiv sind, belegt nach Herzogs Angaben eine erste Auswertung der Kundenadressen. Demnach hatte gut die Hälfte der Festspiele-Gäste einen Anreiseweg nach Eutin von mehr als 50 Kilometer. Bemerkenswert dabei sei, dass jeder sechste Gast aus der Metropolregion Hamburg stamme. Auch der Zuspruch der Eutiner sei deutlich gestiegen. Herzog: „26 Prozent aller verkauften Karten haben Kunden im Umkreis von 20 Kilometer erworben, direkt aus Eutin kamen 2870 Buchungen. Dieser Entwicklung freut uns sehr.“

In ihrer kommenden, der 70. Saison präsentieren die Eutiner Festspiele 2020 die Puccini-Oper „Madama Butterfly“ (Regie: Prof. Igor Folwill) und das Musical „Ein Käfig voller Narren“ (Regie: Hardy Rudolz). Außerdem stehen drei Konzertabende sowie ein Jugendprojekt mit Weber-Bezug auf dem Programm. Der Vorverkauf mit 15 Prozent Frühbucherrabatt bis zum 30. November und interessanten Abos startet am 16. September.

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