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Bunt und gefühlvoll: „Ein Käfig voller Narren“

aus: SHZ-Online von Constanze Emde

Peppige Melodien, bekannte Gesichter: Eutiner Festspiele freuen sich über die Besetzung des Musicals und den guten Kartenvorverkauf / Statisten gesucht

„I am what I am“ ist der wohl bekannteste Song aus dem Musical-Klassiker „La cage aux folles“ (Ein Käfig voller Narren), der am 26. Juni bei den Eutiner Festspielen Premiere feiert. Was heutzutage als musikalisch hochwertige Abendunterhaltung daherkommt, schlug seinerzeit hohe Wellen. Denn „Ein Käfig voller Narren“, wie der deutsche Titel heißt, war 1983 das erste Broadway-Musical, das sich mit Themen rund um Homosexualität auseinandersetzte.

Regisseur Tobias Materna verspricht ein Stück auf die Bühne zu bringen, das eine Spannbreite von bunter Unterhaltung und großen Gefühlen biete. „Es ist eine wunderbare Liebesgeschichte, die von ganz typischen Problemen eines Paares handelt unabhängig vom Geschlecht, als Eltern, mit dem älter werden und im Verhältnis zu Menschen, die anders sind“, sagt Materna.

Ein schwules Paar aus dem Nachtclub-Metier zieht einen Sohn groß, der sich ausgerechnet in die Tochter eines erzkonservativen Politikers verliebt. Um in das Weltbild eines Vertreters der Partei „Tradition, Familie und Moral (TFM)“ zu passen, versucht sich das Paar zu verbiegen, schildert Materna den Plot, „aber wie so oft, geht das natürlich nach hinten los. Und wir haben als Publikum teil an ganz intimen Momenten sowie an der großen Show.“ An Maternas Seite ist Vanni Viscusi verantwortlich für die Co-Regie und Choreografie.
Der gebürtige Italiener freue sich sehr auf das Stück, das er selbst schon getanzt und choreografiert habe. Es ist seine dritte Spielzeit in Eutin: „Wir wollen nicht einfach Männer in Frauenkleidung zeigen, sondern es geht um die Illusion. Travestie hat mit Kunstwesen zu tun. Die Zuschauer sollen die Botschaft der Toleranz mitnehmen – unabhängig von Geschlecht, Kleidung und Hautfarbe sind wir alle Menschen.“ Viscusi und Materna sind begeistert von der Besetzung, die sie gemeinsam mit Romely Pfund ausgewählt haben: Acht der fast 20 Darsteller kennt das Eutiner Publikum aus dem Vorjahr von „Kiss me, Kate“. Martin Sommerlatte spielt Georges, den Besitzer des Nachtclubs. Peter Bording freue sich sehr, dessen Freund, den Albin und die Drag-Queen Zaza zu spielen. Jacqueline, die gute Freundin der beiden, wird gespielt von Patricia Hodell und die Rolle der Madame Dindon, die Schwiegermutter in spe, übernimmt die ebenfalls in „Kiss me, Kate“ gefeierte Gudrun Schade.

„Wenn Worte für Emotionen nicht reichen, wird in einem Musical gesungen“, sagt Materna und leitet an Romely Pfund über, die als musikalische Leiterin für die eingängigen Melodien mit „peppigen Bigband-Sound“ von Jerry Herman schwärmt. „Am Ende des Abends werden die Zuschauer summend die Festspiele verlassen“, ist Pfund überzeugt. Kollegen seien neidisch gewesen, ob der tollen Stücke, die sie in dieser Saison spielen dürfe.

Für das passende Bühnenbild und -Outfit sorgen Jörg Brombacher und Martina Feldmann. Brombacher hat seine Idee der verschiedenen Ebenen aus dem vergangenen Jahr ausgebaut mit einem Clou – die Bühne ist drehbar, sodass szenisch zwischen Wohnzimmer, großer Showbühne und Backstage ständig gewechselt werden könne. Beleuchtete Treppenstufen, schwarzer Lackboden und goldener Rahmen sollen Show-Atmosphäre nach Eutin holen. Gleichzeitig lebe das Stück von der Nähe zum Publikum. Das löst Brombacher in dieser Saison durch eine bespielbare Plattform auf dem Orchestergraben. „Es ist eine Herausforderung beide Stücke ästhetisch zu bedienen“, gibt Brombacher zu bedenken, der neben dem Musical auch das Bühnenbild für „Madame Butterfly“ verantwortet: „Das werden wir komplett vor das Musicalbild bauen und die Atmosphäre eines japanischen Zen-Gartens schaffen“, verrät er.

Die Nähmaschinen in der kleinen Schneiderei der Festspiele rattern schon. „Wir produzieren so viel wie möglich für Madame Butterfly vor“, sagt Kostümbildnerin Martina Feldmann. Denn aus der vergangenen Saison weiß sie, dass bei den Proben und insbesondere für die Tänzer ganz besondere Anforderungen an die Musical-Kostüme gestellt werden und Änderungen bis zur Premiere die kleine Schneiderei fordern können. Auf ersten Entwürfen zeigt sie beispielhaft Kostüme für die Verwandlung des Albin zwischen Drag-Queen Zaza und bemüht „normal-konservativer“ Frau.

11.600 Karten verkauft Marketingleiterin Ulrike Horstmann und Geschäftsführer Falk Herzog freuen sich über den guten Kartenvorverkauf. „Wir haben mit aktuell 11.626 verkauften Karten knapp 2000 Karten mehr als im Vergleich zum Vorjahresmonat.“ Dies sei erneut ein Vertrauensbeweis in die Festspiele und ein Zeichen dafür, dass der eingeschlagene Weg – ein Mix aus Oper und Musical – angenommen werde, denn es gebe zahlreiche Neukunden auch aus dem Hamburger Raum.

Statisten-Paare gesucht Wer beim Musical selbst auf der Bühne stehen möchte, kann sich als Statist melden, gerne auch Statisten-Paare. „Wir haben Restaurantszenen oder Spaziergänge an der Strandpromenade entlang, wobei wir noch Darsteller bräuchten“, sagt Regisseur Materna. Erste Bühnenerfahrungen seien von Vorteil, aber keine Pflicht. Auch kräftige Helfer im Hintergrund sind wichtig bei den Vorstellungen, so Brombacher, denn es brauche Kraft, die Drehbühne zu bewegen. Wer Interesse hat, kann sich unter eutiner-festspiele.de melden.

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