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Ausblick mit gemischten Gefühlen

aus: KN-Online von Konrad Bockemühl

Eutiner Festspiele: Nach Absage schwere Hypothek für 2021.

EUTIN. Eigentlich hätte die 71. Spielzeit der Eutiner Festspiele 2021 ein Selbstgänger werden können. Mit Carl-Maria von Webers Freischütz 200 Jahre nach der Berliner Uraufführung und Leonard Bernsteins stetig populärer West Side Story war man für die Bühne im Schlosspark bestens aufgestellt. Doch nun geht's mit einer schweren Hypothek in den Sommer 2021.

Er muss Verluste der ausgefallenen 70. Saison ausgleichen. Und man weiß nicht, wie weit die Corona-Krise noch bis dahin ausstrahlt – selbst wenn es nur die Verunsicherung beim naturgemäß Älteren Publikum ist. Doch bei allen Sorgen kann sich Geschäftsführer Falk Herzog vom Publikum ermutigt fühlen. Dass sehr viele der 13.500 Kunden dieses Jahres sich nach der Vollbremsung im April für Gutscheine statt Rückzahlung des Kartenpreises entschieden haben, spreche für einen hohen Vertrauensbonus, sagt Herzog: "Das war bei den Festspielen nicht immer so". Es gibt Liquidität für 2020, verlagert aber zugleich die Einbußen auf das nächste Jahr. Durch die hohe Eigenfinanzierungsquote von rund 85 Prozent im Zwei-Millionen-Etat "trifft es die Eutiner Festspiele besonders hart".

Auch deshalb werde man öffentliche Gelder als Soforthilfe beantragen. Es gibt positive Signale vom Land, und Herzog betont: "Die Festspiele sind in ihrer Substanz nicht akut gefährdet". Dafür stünden nicht zuletzt auch er persönlich sowie Joachim Scheele als weiterer Gesellschafter, die nach "zwei guten Jahren" für ihre Sache weiter hoch motiviert eintreten. Und dafür stehen auch die Förderzusagen, vor allem des Bundes, für den überfälligen Bau einer neuen Tribüne am See, die bislang auf rund 6,1 Millionen Euro kalkuliert ist: "Daran wird nicht gerüttelt“. Jetzt gehe es um eine möglichst schnelle Umsetzung: „Wir arbeiten gerade an einem konkreten Zeitplan“ mit der Stadt Eutin als Herr des Verfahrens. Hoffte Herzog bislang auf den Beginn der Arbeiten spätestens nach der Saison 2022, hat er jetzt schon 2021 im Blick – zwischen zwei Spielzeiten müsse die neue Tribüne dann errichtet werden. Ausfälle im Festspielbetrieb will er, gerade nach diesem Corona-Sommer, unbedingt vermeiden. Darüber hinaus ist Herzog auch in dieser Lage optimistisch genug, zumindest die Option für eine spätere Überdachung noch vorzuhalten. Zumal Planungssicherheit ein hohes Gut ist bei Festspielen unter freiem Himmel.

Jetzt erstmal wird sauber abgewickelt,dann werden die „tollen, aber teuren Produktionen“ für 2021 vorbereitet. Die Spielzeit 2020 (mit Ein Käfig voller Narren und Madama Butterfly) zu spiegeln, sei wegen bereits teuer erworbener Aufführungsrechte kein Thema gewesen, "aber wir prüfen das zur Zeit für 2022". Geprüft wird auch, ob man 2021 mehr Aufführungstermine auf den publikumswirksamen Spielplan bringen kann, um Verluste dieses Jahres zumindest teilweise wettmachen zu können. Der Geschäftsführer setzt auf entscheidende Signale schon in ein paar Monaten: "Der beste Kunde kauft bereits im Herbst seine Karten" – das zeige Vertrauen, Perspektive und mache Mut.

Fürs erste haben die sechs Schneiderinnen der Eutiner Festspiele von Glitzerkleidung und Kimonos für Musical und Oper kurzfristig umgestellt auf Gesichtsmasken gegen Corona. Hunderte der bunt gemusterten Verhüllungen liefern den Stoff für eine Hilfsaktion: "Wir wollen mit dem Maskenverkauf unsere Sänger und Sängerinnen unterstützen, die durch die Absage unserer 70. Saison für den Sommer arbeitslos geworden sind", sagt Falk Herzog. Ein Signal, das für ein gutes Team und ein familiäres Klima auf Eutins grünem Hügel steht.

Im übrigen "wollen wir hier nicht ein Jahr lang verschwinden", versichert der Festspielchef. Eine Kompromisslösung auf der großen Bühne ist angesichts der Hygienevorgaben nicht realistisch, "aber wir arbeiten an kleinen Formaten für unterschiedliche Räume in Eutin" – auch auf der neuen Studiobühne für in normalen Zeiten maximal 200 Zuschauer, die in der Opernscheune gerade erst eingerichtet wurde.

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